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Auf dem Geschirrspüler durch die Alpen: Mit Hund nach Kärnten, Tirol und Rheinhessen

Juni-Juli 2021. Unser erster Urlaub nach der bleiernen Zeit des Lockdowns. Anstatt (damals ohne Hund gebucht und dann storniert) nach Texas, Arizona und Colorado ging es nach Kärnten, Tirol und Rheinhessen. Schließlich wollten wir Arthur keinen endlosen Flug im kalten, dunklen Frachtraum zumuten. Wer weiß, ob er in den USA tiefgekühlt angekommen wäre. Ähnliches mit dem einzigen Passagierdampfer, der von England aus in die USA schippert. Hunde sind auch hier nicht in den Kabinen erwünscht. Es würde nur „Gretas Yacht“ bleiben. Aber eine Woche auf engsten Raum mit Klima-Moralaposteln würden wir nicht durchstehen. Deshalb entschieden wir uns für den Landweg in’s südliche Österreich und mieteten uns dafür einen Kombi (weil unserer Viertürer für das Ego unseres Hundes zu klein erschien).

Frisch doppelt geimpft, mit Hundebox ausgestattet und bis unters Dach voll mit Futter, Spielzeugen, drei orthopädischen Hundebetten und endlos vielen Decken, Kissen und ferner unserem eigenen Gepäck fuhren wir los. Um es vorneweg zu nehmen: Unsere Impfung interessierte niemanden in den vier Wochen Urlaub. Wir mussten hierfür weder in den Hotels, Restaurants, noch in den Ferienhäusern unsere Nachweise vorzeigen. Vielleicht sahen wir einfach nicht nach Corona aus?

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Auf Gretas Yacht nach Kärnten?

Unser Urlaub startete damit, dass der wichtigste Passagier an Bord das Autofahren hasst. Wir versuchten im Vorfeld wirklich alles, um unserem Hund das Auto als Wohlfühl-Höhle zu präsentieren: mehrwöchiges Auto-Training (Arthur rein, Motor an – Motor aus – Arthur raus, etc.), Hunde-Autospray, pflanzliche Beruhigungstabletten, mit ihm über das Auto reden, Fahrten zu jeder Tageszeit, mit und ohne Hundebox und besonders kuschelige Decken. Auf die übergab er sich regelmäßig am Ende einer Fahrt.

Bleib’ daheim sagt das Forum

Wer sich im Hundeforum Tipps zu Autoreisen holen will, der erntet einen Shitstorm der Oberkorrekten („Was tut Ihr Eurem Hund an? Bleibt lieber mit ihm zu Hause“). Auf die Frage, ob jemand an zwei Orten in Österreich gute Hundetrainer kennt, kam eine Welle der Empörung, dass der arme Hund „quer durch Europa durch die Hundeschulen“ gejagt werden würde und man doch besser zu Hause den einen Trainer aufsucht. Gäbe es eine calvinistische Hundekirche, so würde man hier viele Anhänger finden. Will heißen: Scheinbar hat die Wokeness-Bewegung auch die Hundeforen erreicht.

Schließlich versuchten wir es auf Anraten befreundeter Beagle-Halterinnen mit einer abgedunkelten großen Hundebox im Fond des Kombis. Wir stückelten die Reise und machten erst im Bayerischen Wald für ein paar Tage Halt und fuhren dann die größere Strecke fünf Stunden durch bis nach Kärnten. Das Ergebnis war sehr unschön. Arthur speichelte wie ein Wasserfall. Wir spendeten daraufhin die Box dem Tierheim in Villach und unser König saß fortan im Hundebett auf dem Rücksitz neben meiner weltbesten Frau – natürlich in intensiver Betreuung.

Was zudem half, war eine Hunde-Entspannungs-Playlist. Wenn Mozart, Bach und Beethoven erfahren hätten, dass sie in ferner Zukunft zum Einschlafen von Hunden komponieren würden, dann hätten sie schleunigst ihren Beruf gewechselt. Ihre leisesten Stücke fanden sich zudem im Wechsel mit den Geräuschen eines Wäschetrockners, eines Geschirrspülers und einer Waschmaschine (oder war das eine Toilettenspülung?). Man stelle sich vor: Auf der Alpenstraße durch sonniges Bergpanorama, untermalt mit dem Geräusch einer Geschirrspülmaschine. Vielleicht hätten wir doch Gretas Yacht nehmen sollen.

Secret Service in Südkärnten

In der Nähe von Hermagor (Kärnten) residierten wir in einem großen, 500 Jahre alten Haus mit umzäuntem Garten. Die Vermieter überraschten Arthur mit Hundefutter und einem liebevollen Brief „Herzlich Willkommen bei uns! Ich hoffe, Du fühlst Dich wohl. Genieße den Aufenthalt und vor allem, freue Dich auf den Hausgarten. Er gehört nun Dir! Deine Mavie von Engelstor.“

„Soso“, sagten wir uns. „In Kärnten können die Hunde lesen und schreiben.“ Nachdem wir Arthur den schönen Garten überließen, betätigte er sich als Gärtner. „Pech gehabt, Mavie“, dachte sich Arthur und begann, große Löcher zu buddeln, als wolle er auf direktem Weg nach China.

Währenddessen checkte ich das Ferienhaus wie der Secret Service, kurz bevor der Präsident eintrifft. Es ging hierbei weniger um Bomben, Kameras oder Wanzen, sondern um alles, das Arthur gerne in ein Kauspielzeug umwandelt: Dekokissen, Dekoblumen, Toilettenpapier sowie um das Ausbreiten von Hundedecken auf Sofas, Sesseln und Betten. Danach wirkt alles nüchterner, da sämtliche Deko-Utensilien in Schränken oder einem überflüssigen weiteren Schlafzimmer verstaut sind. Diese Prozedur wiederholten wir in allen anderen Ferienhäusern. So auch in Obervellach, nach einer schönen, erholsamen Woche in unserer nächsten Unterkunft.

Trotz Anti-Zeckenhalsband zog sich Arthur ein kleines Biest zu und wir standen etwas hilflos vor unserem Hund. Das letzte Mal, als ich eine Zecke gezogen hatte war in meiner Jugend bei unserer Schäferhündin. Als Helikopter-Hundeeltern wollten wir nichts falsch machen oder gar die Zecke zerdrücken. Die Zeckenzange ließ sich auch nicht so problemlos anbringen… Zum Glück sind sie auf dem Dorf pragmatisch und der Hausverwalter Manfred schickte seine Nichte. Zehn Minuten darauf ein Klingeln an der Tür, eine gestandene etwa 30-jährige Bäuerin trat ein, „wo isser?“ und innerhalb von zwei Sekunden war das Problem behoben. Meine Frau und ich, wir kamen etwas unbeholfen und sehr städtisch vor.

Seinen ersten Zweitausender bestand Arthur mit Bravour. So ein kleiner Bengel mit so großer Kraft. Streckenweise hatte ich den Eindruck, ein Roboterhund würde mich an der 5-Meter-Leine den Berg hinaufziehen. Wir machten viele Pausen, damit er sich an die Höhe gewöhnen und erholen konnte.

Auf der Alm angekommen gab es erstmal Kaiserschmarrn und Radler – für Arthur eine Hähnchenstange – mit alkoholfreiem Wasser versteht sich.

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Hund auf Reisen

Personal Jesus

Auch in Tirol in der Nähe von Reutte stürmte unser hochmotivierter Hund die Gipfel. Kurz vor einer Alm lauerte auf dem Weg eine Kuhherde. Arthur weigerte sich, weiterzuwandern. Als Spielgefährten waren ihm diese Tiere zu groß und zu gefährlich. Ich musste ihn durch die Kuh-Gruppe tragen. „Arthur ist als Cowboy-Hund völlig ungeeignet“, dachte ich mir und strich innerlich Argentinien und Texas von der Reiseliste (dort würden wir ohnehin nie mit ihm hin, da wir ihm keine Flugreise zumuten wollen).

Unser Ferienhaus lag wie die Kuhherde direkt an einem Wanderweg. Das war von der Ruhe und Idylle her wunderbar. Von der Anfahrt als „Anwohner“ hingegen ein Graus. „Sie wissen schon“, belehrten mich jedesmal sture Wanderböcke, „dass dies ein Wanderweg ist und Autos hier nicht erlaubt sind“. Aber nicht nur spießige Touristen, sondern auch einheimische Gepflogenheiten lernte ich beim Friseur kennen. Der etwa Mittvierziger entstammte einer Tiroler Bergbauernfamilie und hatte zum Zopf gebundene lange Haare. Wie er mir bei einem feschen Kurzhaarschnitt erzählte, war es im Dorf, in dem er arbeitete, genug Grund, ihn auszugrenzen beziehungsweise keinen näheren Kontakt mit ihm zu haben. Mehr als zehn Jahre dauerte es, den Außenseiter als „außergewöhnlichen Kauz“ zu akzeptieren. Ganz davon abgesehen, dass in fast jedem Haus in Tirol ein halb nackter Mann mit langem Haar und einer Dornenkrone auf dem Kopf an Kreuz genagelt hängt, der zudem noch angebetet wird. Vielleicht sind die Tiroler (beziehungsweise die aus ebenjenem Dorf) der Meinung, dass langhaarige Männer leiden müssen?

King meets Queen - Arthur bei der Weinkönigin

Nach einer Woche Tirol ging es für eine Woche in das nächste Ferienhaus in’s platte Land nach Rheinhessen (das nicht in Hessen sondern in Rheinland Pfalz liegt – wie der Name nicht sagt). Wir wollten unsere Weinvorräte auffüllen und uns die Gegend ansehen. Leider regnete es und die Weingegend war nicht so richtig für Ausflüge mit Arthur geeignet. Wer will schon zwischen endlosen Rebstöcken nach seinem Hund suchen? Dafür gab es einen wunderschönen, umzäunten Garten und Arthur buddelte sich dort wieder in Richtung China – ohne zu wissen, dass dort (zumindest im Süden) Hunde auf der Speisekarte stehen.

Auf unserer Getränkekarte stand jedenfalls rheinhessischer Wein und wir suchten uns das beste Weingut im Dorf aus – eines mit waschechter Weinkönigin. Wir erhielten eine Privataudience in der Probierstube und dort stand ein riesig großes Hundebett in der Ecke. Anstatt sich dort zu platzieren stürzte sich unser Arthur auf das königliche Bett, um es quer durch den Raum zu schleifen und auf Kratz- und Bissfestigkeit zu überprüfen. Als wir Hund und Bett trennen konnten, folgte verständnisloses Gebell. Wie unangenehm. Also folgten viele Gläser Wein, um zumindest als guter Kunde dazustehen, wenn man schon aus Berlin mit einem unerzogenen Hund (das ist er wirklich nicht) kommt. Vielleicht wollte Arthur nur mittrinken und war etwas verstimmt.

Rheinhessen taugt nicht wirklich für einen Fellnasen-Urlaub; es sei denn Ihr Hund hat Interesse an Weinverköstigungen und großflächigen Anbaugebieten ohne viel Wiesen oder Wäldern dazwischen.

Österreich ist immer ein Garant für eine großartige Reise mit dem Vierbeiner – mit oder ohne Geschirrspüler!

 

// Arthurs Hundepaps

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