Mit den Waltons auf dem Blue Ridge Parkway

Mit der British Airways (BA) hatten wir einen Monat zuvor bei unserem letzten Flug in die britische Hauptstadt eigentlich gute Erfahrungen gemacht. Nun ging es am 23. Mai 2014 um 6 Uhr früh mit Airberlin nach Paris und von dort aus mit der BA nach New York.

Der Plan: Meine Frau und ich mit einem SUV entlang der Ostküste zur 700 Kilometer langen Panorama-Straße “Blue Ridge Parkway” und von Atlanta wieder mit der BA zurück nach Hause. Städte, Berge, weite Landschaften, Highways und viel Autofahren.

Gibt es bei der BA eine vierte Klasse?

Wir stiegen also in London in unsere BA Maschine ein. Ganz vorne die erste Klasse mit komfortablen Liegesitzen, dann kam der nächste Bereich mit schönen breiten ebenfalls ausklappbaren Sesseln. Doch leider führte uns unsere Sitzplatznummer in den hinteren Bereich, der im Gegensatz zu den ersten beiden Klassen wie eine kleine Kammer für Backpacker wirkte. Alte, enge Sitze. Noch nicht einmal Kopfhöreranschlüsse; geschweige denn, Displays, wie bei Langstreckenflügen üblich. Wahrscheinlich gab es in diesem Flieger noch eine vierte Klasse: unten im Gepäckraum.

Von alledem stand im Online-Buchungsvorgang nichts. Im Internet sind ja bekanntlich alle gleich. Anstatt der Displays bekam jeder Passagier während des Fluges ein mit Filmen und Musik bespieltes iPad mit Kopfhörern ausgehändigt. Pares inter Pares: Das Flugpersonal war immerhin bemüht, uns arme Schlucker aus der Backpacker-Kammer freundlich zu bedienen.

Eingerollt wie schwedische Zimtschnecken (die in den USA übrigens sehr beliebt sind) erreichten wir nach acht Stunden den Liberty International Airport in Newark bei New York. Am Gepäckband erfuhren wir, dass unsere Trolleys einen späteren Flug nehmen wollten. Ein Mitarbeiter nahm unsere Daten auf und versprach, dass wir unser Gepäck am Abend im Hotel vorfinden würden. Wahrscheinlich brauchte diese Maschine im Gepäckraum Platz für die vierte Klasse. Das alles erschien uns halb so schlimm, da wir ohnehin gleich vom Flughafen zur Shopping Mall wollten, um uns neu auszustatten. Aber im Gepäck waren die Toilettenartikel, die Wanderschuhe, mein Fernglas, eine gute Schweizer Uhr, die teure Kamera…

Interkontinentalflug, Power-Shopping & Road-Trip an Tag 1

Vom Gepäckrollband aus sollten wir mit einem Schienenersatz-Bus zu den Autovermietungen befördert werden. Wir stiegen also in den betreffenden Bus, der dann losfuhr. Einmal um den Block, dann hielt er wieder an der gleichen Stelle. Dann fuhr er wieder um den Block, um noch einmal an der selben Stelle zu halten. Dann startete er nochmals und ich dachte mir, täglich grüßt das Murmeltier.

Etwa 20 Minuten später begrüßte uns die Alamo-Check-in Konsole, die mich in einer endlosen Schritt für Schritt Anleitung durch den Fahrzeug-Anmietvorgang führte, um am Ende meine Kreditkartennummer nicht zu akzeptieren. Wer gerne Mikado spielt, hat Freude an solchen Automaten. Ich hatte Glück – Mit viel Geduld kam schließlich ein stattlicher SUV Chevrolet Captiva heraus, den wir uns aussuchen durften. Hauptsache groß und dick – wie der Fahrer.

Wir starteten zum größten Outlet Center der Region, in dem wir weitere sieben Stunden Walking durch volle Shops und Gymnastik in Umkleidekabinen machten. Völlig geschafft fuhren wir nach Ladenschluss und 80 Kilometern Highway in unser erstes Hotel. Wer dort nicht auf uns wartete, das war unser Gepäck.

Dafür hatten wir ein sehr schönes Holiday Inn Express Hotel, das im Grünen lag. Anders als typische US-amerikanische Hotels starrte uns hier kein Kühlergrill in’s Fenster. Das Frühstück hatte nur halb so viel Plastikverpackung wie sonst üblich.

Die Hotelmitarbeiterin versprach uns, bei dem Gepäckservice anzurufen, um sich nach dem Befinden unserer Trolleys zu erkundigen. Vielleicht kamen sie erst nachts oder morgens an. Auf der BA-Gepäckseite im Internet gab ich unter “liefern an” vorsichtshalber die Adresse unseres nächsten der acht folgenden Hotels ein, das etwa 300 Kilometer weiter nahe Philadelphia lag. Ein typisch deutscher Beschwerdetext durfte natürlich auch nicht fehlen.

Kann man dem Kundenservice der British Airways trauen? Nein, dachten wir uns und stellten trotz Shopping in New Jersey fest, dass wir weder Unterwäsche noch weitere Kleidung für 15 Tage besaßen. Unser Misstrauen gegenüber großen Fluggesellschaften gab uns Recht und das Gepäck ließ sich auch am Morgen nicht blicken.

Also hieß es: Sport statt Kulturprogramm. Statt Philadelphia-Besichtigung wieder das Walking- und Workout-Programm in einem großen Shopping Center mit anschließenden 300 Kilometern Highway nach Laurel, Pennsylvania.

Reisebericht Blue Ridge Parkway

Laurel: Anders als bei Dick & Doof

Trotz seines Namens ist dieser Ort nicht halb so lustig wie das berühmte Komikerpaar aus den 40er Jahren. Eine ziemlich abgerockte Gegend mit einem Schuss Ghetto-Feeling, wie wir in einer spätnächtlichen Erkundungstour bemerkten. Um noch ein paar wichtige Dinge einzukaufen, fragten wir nach einem Supermarkt. “Gleich um die Ecke” meinte die freundliche Hotelfrau und beschrieb uns den Weg, als wäre es eine 5-Minuten-Angelegenheit. Wir überlegten, ob wir zu Fuß gehen sollten, entschieden uns aber dann wegen der späten Uhrzeit und den Tüten für das Auto. Mit dem brauchten wir 15 Minuten dorthin! Wir hatten ganz vergessen, dass es hier (bis auf wenige Ausnahmen) keine Fußgänger gibt und jegliche Wegbeschreibungen immer nur für Autofahrer gelten. Zu Fuß wären wir locker eine Stunde dorthin unterwegs gewesen. Der Supermarkt war um diese Uhrzeit gut besucht.

Während im ländlichen Brandenburg abends um acht Uhr die Gehsteige hochgeklappt werden, geht man in Virginia auf dem Dorf mit der ganzen Familie um 23.30 Uhr zu Walmart einkaufen. Vielleicht hängt das mit dem vermeintlich besseren Fernsehprogramm zusammen: in den USA guckt man bis in die Puppen und bei uns schläft man nach der Tagesschau ein. Auch, wenn Gewerkschaftler jetzt schimpfen: Warum haben bei uns die Geschäfte auf, wenn man normalerweise arbeitet und schließen dann, wenn sich der Laden gerade gefüllt hat? Für einen Amerikaner wären die deutschen Geschäftszeiten völlig absurd.

Im Laurel quartierten wir uns in einem typischen Motel (Red Roof Inn) ein: großer Parkplatz, das Fenster zum Gang, laute Klimaanlage und Wände aus Pappe. Wenn hier jemand einen Schuss abfeuert, würde die Kugel wahrscheinlich durch das ganze einhundert Meter lange Gebäude gehen. Aber gut, dass in dieser Nacht die Waffen in den Holstern schliefen.

Gegen Mitternacht telefonierte ich dann mit dem BA Gepäckservice, dem ich bis dato bereits drei E-Mails geschickt hatte. Die Mitarbeiterin reagierte freundlich, lachte sogar am Telefon über unsere gepäcklose Situation. “Ihr Gepäck befindet sich derzeit noch über dem Atlantik”, versicherte sie. “Aber wir werden Ihnen die Trolleys noch auf dem Boden der USA aushändigen.” Einwandern wollte ich hier nicht, sondern nur 16 Tage Urlaub machen. Wir einigten uns darauf, dass wir unser Gepäck zwei Tage später in Tennessee vorfinden würden, wo wir drei Nächte in einem Resort verbringen wollten.

Washington D.C: Auf nach Sauberland

Am nächsten Tag verließen wir mit einem 7/11-Kaffee (in den USA und in Thailand sehr zu empfehlen) Laurel schnell, um erst in den nächsten Shopping-Tempel und dann nach Glen Allen bei Washington D.C. aufzubrechen. Das Hotel (Comfort Suites Innsbrook) war wieder ein kleines Highlight. Sehr gut ausgestattet und sauber wie der ganze Ort, der dafür übrigens in Virginia ausgezeichnet wurde. Das sieht man dem Ort sofort an. Jedes schwäbische Dorf mit Kehrwoche würde hier vor Neid erblassen. Der ganze Ort sieht aus, als wäre er mit der Zahnbürste gesäubert worden und nach Müll sucht man hier vergebens. Ein Kontrastprogramm zu Laurel. Es gab hier sogar ein Viertel, in dem man Europa zu imitieren versucht: ein paar enge Straßenzüge mit Gehsteigen und “Cafes” zum draußen sitzen.

Das Ganze wirkte auf uns, wie eine 90er Jahre Vorstadt-Siedlung in Kirchheim. Ohne Charme und Spirit. Es ist, als wenn wir in Berlin ein China-Viertel, nur ohne Chinesen, bauen würden. Aber diese seltsame Siedlung mag als absolute Ausnahme ein Versuch gewesen sein, good old Europe hier anzusiedeln. Dann ist mir das typische US Straßenbild lieber: ewig breite Straßen ohne Gehwege und viele große Parkplätze vor großen Läden, daneben die Vorstadtsiedlungen mit dem Golfrasen auf dem zaunlosen Grundstück. Wir befanden uns noch in den Nordstaaten. Wer es nicht weiß: Kurz unterhalb von Washington D.C. beginnen die Südstaaten – und nicht erst in Alabama oder Louisiana.

Da die Koffer noch unterwegs waren, kamen wir mit 20 Papier- und Plastiktüten in das schicke Hotel. Nur ein Einkaufswagen, eine Zottelfrisur und eine Decke über den Schultern fehlten uns, um den Kontrast perfekt zu machen. Nach dem üblichen Plastik-Frühstück mit Waffeln aus der Maschine, Muffins, Weißbrot mit Ham und Vanille-Kaffee ging es weiter zu unserem eigentlichen Ziel: der Blue Ridge Parkway.

Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway

 Der Blue Ridge Parkway

In Europa kennt man die Route 66 und ein paar Highways in Kalifornien. Den Blue Ridge Parkway – eine ca. 700 Kilometer lange Panoramastraße, die u.a. über die Bergrücken der Aapalachen führt, kennen bei uns nur Insider. Dabei sind die etwas älteren unter uns mit den “Waltons” aufgewachsen. “Gute Nacht, John-Boy – gute Nacht, Mary-Ellen – gute Nacht, Jim-Bob.” Dort, wo diese US Familien-Saga spielt, verläuft der Parkway. Am Straßenrand kann man hier und da alte verlassene Farmhäuser besichtigen, die bis in die 50er Jahre bewohnt waren. Das sind kleine, ca. 30qm große Blockhäuser mit angebauten Stein-Kamin. Oben im Speicher schliefen die Kinder, unten im Gemeinschaftsraum die Eltern. Schlicht, spartanisch und eng. Das Leben fand überwiegend auf dem Feld oder beim Vieh in der Scheune statt. Die verspielte grüne Landschaft drumherum wirkt wie das Auenland bei Tolkien’s “Herr der Ringe”.

Diese wunderschöne Straße ist in den 30er den vorigen Jahrhunderts als nationale Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nur für den Tourismus begonnen worden. 50 Jahre später wurde sie mit je einer Spur in jede Richtung (von Virginia nach Georgia) fertig gestellt. Sie führt über zahlreiche Bergrücken in 1000 Metern Höhe, vorbei an Wasserfällen, Wäldern und Wiesen. Es gibt unterwegs nur wenige Siedlungen. Dafür hat man Aussichtspunkte, von denen aus man hunderte von Kilometern in die Wildnis blicken kann. Die Straßen durch die Alpen wirken – abgesehen von den höheren Bergen – wie Miniaturausgaben des Parkways. Genau das macht die Nationalparks in den USA so reizvoll.

Natur XXL pur – ohne, dass man alle 10 Kilometer auf ein Dorf trifft und ohne, dass neben der Straße Landwirtschaft betrieben wird. Die Amis achten sehr darauf, alles so zu belassen, wie es ist. Während man in Europa (vor allem im Süden) gerne den Müll aus dem Autofenster wirft oder an Rastplätzen liegen lässt, findet man hier nicht einen Krümel neben der Straße. Noch nicht einmal zum Notdurft verrichten sucht man einen Baum auf, sondern fährt zum nächsten Restroom.

Der Parkway ist unter der Woche wenig befahren. Ab und zu kommen einem Radfahrer oder Jogger entgegen, die einen Teilabschnitt genießen. Man darf hier nicht schneller als 45 Mph (60 Km/h) fahren. Wer es eilig hat, kann ca. alle 20 bis 40 Kilometer eine Abfahrt zu den Normalen Highways benutzen. Das ist wichtig, um eine Tankstelle oder ein Hotel anzufahren.

Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway

North Carolina Hillbillies & Tennesse Country

Wer an Tennessee denkt, kommt auf Memphis, Elvis, Dolly Parton und Nashville. Country Musik, die nicht von Johnny Cash stammt, habe ich schon immer als US-amerikanisches Pendant zum Musikantenstadel angesehen. Dabei wissen die Wenigsten, dass sie ursprünglich aus irischem Folk und schwarzem Blues (ferner auch Gospel und Blue Grass) stammt. Besungen wurde das sehr harte Leben der Landarbeiter – Cowboys und Feldarbeiter. Dazu noch christliche Motive und später im reichen Amerika erhielt die Country Musik ähnlich wie die Volksmusik ein heile Welt-Image.

Aber Johnny Cash und Kris Krisdorferson sei Dank gibt es auch anspruchsvolle Facetten. Johnny Cash’s Frau June Carter stammte aus der Gegend, in der unsere Route liegt. Sie war schon mit der Carter Family in den 50er Jahren eine erfolgreiche Country-Sängerin. Ihr Cousin Jimmy, der Erdnussfarmer, hat es immerhin zum Präsidenten der USA geschafft. Heute gibt es in Hiltons, Südwest Virginia eine Gedenk-Location, in der jeden Samstag Konzerte stattfinden.

Wer die passende Musik für den Blue Ridge Parkway sucht, dem kann ich Johnny Cash’s “Indianer-Album” (“Bitter Tears – Ballads of the American Indians”) von 1964 wärmstens empfehlen. Er hat es allen Ureinwohnern aus dieser Gegend gewidmet. Der Song “As long as the Grass shall grow” wurde zur Hymne. Cash war damit einer der ersten Weißen, die auf die entrechteten Indianer aufmerksam machten.

Rafting mit Seth

Auf Indianer trafen wir im östlichen Bergland von Tennessee ebensowenig wie auf Schwarze. “In meiner Highschool-Klasse, die ich unterrichte, gibt es nur einen Schwarzen,” erzählte uns Seth, der mit uns eine dreistündige Rafting-Tour durch die Stromschnellen des Watauga Rivers durchführte. “Das war hier schon immer so, dass hier überwiegend Weiße wohnen.”

Der 24-Jährige einheimische Englisch-Lehrer verdient sich nebenbei als Rafting-Guide ein kleines Zusatzeinkommen. Wir waren die ersten Deutschen, die er in seiner bisher vierjährigen Nebentätigkeit an Bord hatte. “Die Touristen kommen aus anderen Bundesstaaten. Ausländische Besucher verirren sich nicht zu uns,” meinte Seth. Wer verirrt sich schon in die wunderschönen Berge von Tennessee? Ein europäischer Geheimtipp also. Hier der Veranstalter: www.wataugakayak.com

Der freundliche junge Akademiker, der bereits verheiratet war, stand uns drei Stunden lang Rede und Antwort. Ging ja auch nicht anders, sonst hätte er von Bord des Schlauchboots springen müssen. Aber wir verstanden uns sehr gut und wir sprachen über Edward Snowden, amerikanische Kirchen, Rednecks, Tennessee, die Diskussion um ein US Sozialsystem, das Bildungssystem, die Army, Waffen, über Europa, Hannover (wo seine Frau zwei Jahre zuvor war), ungesundes Essen und natürlich Autos. Die beliebtesten Autos in Tennessee sind Seth zufolge Toyotas.

Vor allem der Toyota Corolla ist sehr populär, da er sehr robust ist. Den ersten Kleinwagen in seinem Leben hat Seth 2006 gesehen, gestaunt und gelacht. Auf unserer gesamten Tour von Newark, New Jersey, bis zum Watauga River habe ich insgesamt drei Kleinwagen gezählt: einen Mini, einen Fiat 500 und einen Honda Colt. Wozu braucht man in den USA einen engen Kleinwagen, wenn man nicht in New York oder San Franzisco lebt (wo die Parkplätze rar sind)? Was man ebenso nicht braucht, ist beim Rechtsabbiegen im Spiegel nach Fußgängern oder gar Radfahrern zu gucken. Die gibt es hier nicht. Gehsteige findet man ab und zu. Aber die Distanzen innerhalb der Ortschaften sind hier so groß, dass der Fußweg zum Supermarkt eine Wanderung wäre und das Radfahren ist hier ohnehin gefährlich und entlang der zum Teil achtspurigen Straßen ziemlich eintönig.

USA Fetisch: Smith and Wesson

Groß und noch größer ist kein Klischee im Land der unendlichen Weiten. Genauso wenig wie die Verbreitung von Waffen, deren gesetzliche Regelung von Bundesstaat zu Bundesstaat sehr unterschiedlich ist. In Tennessee beispielsweise muss man einen “Adult check” über mögliche Vorstrafen, etc, über sich ergehen lassen, wenn man sich eine nagelneue Waffe zulegen will. Kauft man sich hingegen eine gebrauchte oder bekommt sie geschenkt, so benötigt man das nicht und es ist trotzdem legal. Die meisten Leute haben eine Waffe im Handschuhfach ihres Autos und im Haus. Das Waffenthema ist heiß umstritten und es gibt sowohl für Befürworter als auch für Gegner nachvollziehbare Argumente. Dort, wo die Waffengesetze am schärfsten sind, passiert am meisten, sagen die einen. Streitigkeiten können schnell tödlich enden, sagen die anderen. Warum sollen – wie in Europa – (abgesehen von Militär, Polizei und Jägern) nur die Kriminellen Waffen besitzen? Warum soll man sich hier auch als friedliebender Bürger nicht einen “Peacemaker” zulegen dürfen, um sich gegen bewaffnete Kriminelle zu schützen? Eine Waffe alleine macht den Menschen nicht böse. Es ist immer der Schütze und nicht sein “Werkzeug”, von dem die Gefahr ausgeht. In den USA lassen sich die Waffen nicht mehr einsammeln. Dafür sind zu viele im Umlauf. Deshalb: Würde ich hier leben, dann hätte ich schon mindestens eine Smith and Wesson. Einige schräge Vögel habe ich hier schon gesehen, die ziemlich überdreht und latent aggressiv auf mich wirkten. Aber meistens haben wir sehr aufgeschlossene Menschen erlebt. In einem Diner wurden wir sogar von einem älteren Paar als Germans erkannt und sie kamen zu uns, um uns in den USA herzlich Willkommen zu heißen – obwohl sie nie in Europa waren! Wir waren sehr überrascht von dieser Freundlichkeit und Offenheit.

US Fernsehprediger, Amish und Methodisten

Immer wieder ist in den Medien und von USA-Kritikern zu lesen oder zu hören, wie fanatisch christlich die US-Amerikaner seien. Sicherlich gibt es diese Facette in den USA. Die Medien greifen sich gerne Themen heraus, die Sensationen sind und sich deshalb gut verkaufen lassen – mögen sie auch noch so wenig auf Mehrheiten bzw. den “Normalzustand” zutreffen. Das hat sich auch bei unserem Israel-Urlaub bewahrheitet (siehe Israel-Beitrag). Es ist ähnlich wie mit den Hells Angels, die man in den USA als weltweit am stärksten vermutet, obwohl sich deren international größtes Chapter in Deutschland – Hannover – befindet. Die Macht der Klischees und die Sensationsgier der Medien eben.

Was Religiosität angeht, so gibt es in den USA sicherlich viele Skurrilitäten wie die Amish, die Davidianer, Methodisten, Fernsehprediger und Scientologen. Letztere sind hier absolut schwach vertreten und haben ihre Lobby mit Schauspielern wie Tom Hanks, John Travolta oder Tom Cruise. Deshalb werden sie immer wieder in den Medien thematisiert. Das sind verwirrte Celebrities und keine Führer einer Massenbewegung.

Streng genommen könnten die Amis andersherum den Deutschen religiösen Fanatismus vorwerfen. In den USA wäre eine staatliche Kirchensteuer undenkbar. Bei uns hat jedes Dorf seine Kirche und Religion ist (neben Ethik) Unterrichtsfach. Auch hier (an der Ostküste gesehen) gibt es an jeder Ecke eine baptistische, evangelisch geprägte Kirche, die bei uns unter “Freikirche” laufen würde. Offiziell sind es in den USA ca. 18 Mio. Mitglieder. Hier kann jede Gemeinde die Bibel auslegen, wie sie will und man wird erst als Jugendlicher oder Erwachsener (unter Wasser, daher stammt der Begriff Baptist -Untergetauchter) getauft, wenn man sich bewusst für diese Religion entschieden hat – und nicht schon zwangsweise als Säugling wie in Deutschlands Kirchen. Baptisten treten für die Trennung von Kirche und Staat sowie für Religionsfreiheit ein. Das kommt u.a. von ihren calvinistischen Einflüssen. Man darf nicht vergessen, dass in den vergangenen Jahrhunderten auch viele Menschen (z.B. Calvinisten) aus Europa in die USA geflohen sind, weil sie dort religiösem Fanatismus und Intoleranz ausgesetzt waren.

Ich kann schwer einschätzen, wie tolerant die Amis (insofern man sie über einen Kamm schert) nach dem 11. September 2001 heute gegenüber dem Islam sind. Aber als wir in Pennsylvania aus dem Outlet Center auf den Parkplatz kamen, habe ich dort beobachten können, wie eine muslimische Familie vor aller Augen auf ausgerollten Teppichen betete. Das habe ich selbst in Kreuzberg oder Neukölln in den vielen Jahren noch nie auf einem öffentlichen Parkplatz gesehen.

Natürlich steht und fällt die Religion mit dem, was die Menschen vor Ort damit machen und dörfliche soziale Zwänge gibt es bei uns genauso wie in der US-amerikanischen Kleinstadt. Würde man den US-Amerikanern Fernsehbilder vom Kreuzgang in Altötting, von Kruzifixen in bayerischen Klassenzimmern, vom Bischofssitz von Tebbarz-von-Elst oder dem Kirchentag in Berlin zeigen, so hätten sie ein sehr klerikales Bild von Germany. Doch das Bild mancher jungen US-Bürger scheint ein anderes zu sein.

Seth war letztens zu einer Motto-Party eingeladen: “Europa”. Nicht gehobene Kultur oder etwa Bildung standen dabei im Vordergrund. Es war der Alkohol. Wir Europäer sind in Seths Bekanntenkreis für unsere Saufgelage berühmt. Anders als bei Seth zu Hause. In vielen Supermärkten und Diners gibt es keinen Alkohol. Während man hier in Tennesse (oder auch anderen Gegenden der USA) auf einer Party nicht über den Durst trinkt (die Ausnahme bilden junge College-Besucher, Obdachlose und Militärabgänger), um nicht als Alkoholiker abgestempelt zu werden, ist bei uns der Alkohol unabdingbar für geselliges Beisammensein. Bei dem einen das obligatorische Glas Rotwein, bei dem anderen das frisch gezapfte Bier. Das überrascht nicht.

Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway

Wiedersehen mit R2D2

Zurück im Golf-Resort erwartete uns aber eine Überraschung: Der Trolley meiner Liebsten lachte uns im Hotelzimmer an. Die große rote Kiste auf vier Rädern sah etwas mitgenommen aus – wie R2D2 nach einem Kampfeinsatz gegen die imperialen Truppen. Aber immerhin hat sie den weiten Weg hierher in fünf Tagen geschafft. Nur mein kleiner silberner Kamerad war entweder in Gefangenschaft geraten oder schlug sich auf anderen Wegen zu uns durch. Laut Internet-Paketverfolgung hielt er sich aktuell im 300 Km südlich entfernten Louisville, Tennessee, auf.

Exakt einen Tag später fiel mir meine silberne Rollkiste in die Arme. Sie wartete ebenfalls in unserem Hotelzimmer auf mich. Nun wird alles gut, dachte ich mir. Ich freue mich jetzt schon auf den Rückflug mit schnellem Umsteigen in London und der BA Gepäckabfertigung. Aber bis dahin sind es noch 10 Tage und ein paar Zeilen in diesem Blog…

Panoramafahrt in 1300 Metern Höhe

Mit unseren kleinen zurückgekehrten Aluminiumfreunden ging es nun tags darauf weiter den Blue Rich Parkway in Richtung Süden – die letzten 300 Kilometer bis zu seinem Ende im Cherokee-Reservat, das am Fuße eines der weltweit ältesten Gebirge liegt: den Great Smoky Mountains.

Auf dem Weg dorthin zeigt sich der Blue Ridge Parkway von seiner schönsten Seite. Man fährt in 1200 bis 1400 Metern Höhe und muss bei dem tollen Panorama über die endlosen Apalachengipfel aufpassen, dass man nicht von der Straße abkommt. Zum Gucken gibt es jede Menge Halteplätze. Meine Liebste und ich wechselten uns ständig im “Wow”-sagen ab. So viel gab es zu bestaunen, dass wir permanent wiederholten “guck mal da” Antwort: “Wow!” Man fährt fast alleine durch Wildnis, unter der Woche kaum Autos oder Motorräder, mal links ein Gebirgssee, mal rechts Felsen oder zu beiden Seiten der endlose Panoramablick. Und viel Wald versteht sich – später an vereinzelten Stellen ein paar Waltons-Farmen.

Der Blue Ridge Parkway endet im Indianer-Reservat der Cherokees in der gleichnamigen Kleinstadt. Diese lebt vom Tourismus und man kann sich gegen ein Entgelt an jeder Ecke mit einem Cherokee in voller Montur fotografieren lassen oder im Souvenirshop mit Traumfängern, Tomahawks oder kleinen handgeschnitzten Marterpfählen eindecken. Außer in diesem Ort sind uns keine der indigenen Einwohner Amerikas über den Weg gelaufen. Sie tauchen normalerweise assimiliert in der Masse unter oder sind geballt nur an wenigen Orten wie diesem zu finden. Lesetipp: “Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer” von Clair Huffaker.

Bryson City: Blockhouse ohne Serienkiller

Im Nanhatala National Park nahe Bryson City und den Great Smokey Mountains wartete etwas besonderes auf uns: Ein luxuriös ausgestattetes Bergblockhaus (Hidden Creek Cabins) im Wald mit beheiztem Whirlpool auf der Veranda, von dem aus an die blau schimmernden, im Nebel eingehüllten Berge sehen konnte, einer ebensolchen Feuerstelle, einem Kamin. Den schmalen endlosen Pfad dorthin sollte man nur nachts nicht fahren. Obwohl USA, Land der Schusswaffen, Serienkiller, entlegenen Blockhütten, fühlten wir uns hier absolut geborgen und hätten anstatt der drei Nächte auch einen Monat bleiben können. Von hier aus ging es zum Wandern.

Reisebericht Blue Ridge Parkway

Den Amis wird nachgesagt, dass sie sich statistisch gesehen nie mehr als 90 Meter von ihrem Auto wegbewegen. Also freuten wir uns auf menschenleere Wanderwege naher der schönen Bergstadt Bryson City. Unterwegs begegneten wir dann doch ein paar Wanderern. Ein Familienvater bot sich sogar an, mit uns den Weg zum Wasserfall zu laufen, damit er von meiner Frau und mir mit unserer Kamera ein romantisches Foto machen könne.

Ein anderes etwa gleichaltriges Paar sprach uns in gebrochenem Deutsch an. Es stellte sich heraus, dass der Mann in Baden Württemberg Ende der 80er Jahre auf einem US Army Stützpunkt gedient hatte. Die Großmutter von der Frau war sogar deutsche Emigrantin.

Irgendwie haben viele Amerikaner durch die Army oder ein emigriertes Familienmitglied einen Bezug zu Germany – sei es nur, dass der Opa am D-Day nach Festland-Europa und dann nach Deutschland kam. Bei aller berechtigten Kritik an der US-Außenpolitik sollte man nicht vergessen, dass ohne die US-Army Deutschland bzw. Westeuropa lange Zeit – vielleicht sogar bis heute – entweder nationalsozialistisch oder stalinistisch geblieben bzw. geworden wäre. Tipp für Geschichtsinteressierte: In Bedfort, North Carolina, der Stadt mit den prozentual gesehen meisten Zweiten Weltkriegstoten Kriegsteilnehmern, steht die größte eine Gedenkstätte der USA zum D-Day. Vom Krieg nun wieder zurück zum Trip.

Blairwitch Project oder Bären aufbinden?

Nach der Abenteuer Whirlpool-Lagerfeuerromantik-Berghütte ging es wieder 300 Kilometer nördlich zu den Grandfather Mountains nach Banner Elk. Wir freuten uns auf Sonne, Schwimmen, Wandern und ein tolles großes Apartment (Blue Ridge Village). Banner Elk ist so eine Art Davos der Apalachen, wo man im Winter Ski fährt – überall findet man entsprechende Schilder und auch Shops. Nur haben wir bisher keine einzige Skipiste gesehen. Vielleicht ziehen sie im Winter die Skifahrer hinter den Pickups her oder fährt man im Slalom durch die Wälder?

Aus dem Sonnenbaden wurde leider nichts, da der Ort in 1300 Metern Höhe liegt und wir lediglich einen Indoor-Hotelpool hatten. Hier sei anzumerken, dass Swimmingpools laut Gesetz in North Carolina nicht wärmer als 90 Fahrenheit (32,2 Grad Celsius) sein dürfen. Mit dem Wandern probierten wir es einfach aus – Wanderruten gibt es hier jede Menge.

Wir fuhren zum Parkway und starteten hier von einem Campingplatz zu einem 10 Km Rundwanderweg (Loop). Der Campingplatz war menschenleer, aber in Betrieb. Ursprünglich wollten wir entlang des Parkways campen, um einen Naturflash zu bekommen. Glücklicherweise hatten wir uns (nachdem wir uns die Ausrüstung zugelegt hatten) dann doch für bequemere Hotels umentschieden (über 40 denkt man über so etwas dreimal nach) – eine Woche ohne Ausrüstung (Zelt, Schlafsäcke, etc.) zu campen (Stichwort: unser Gepäck…), hätte dann doch keinen Spaß gemacht und man zeltet hier entweder in einer Hundehütte (unserem Zelt) zwischen großen luxuriösen Camping-Trailern oder einsam und verlassen, wie bei Blair Witch Project, irgendwo tief im Wald.

Die Zelt-Campingplätze besitzen einen Grill, einen Sandkasten und einen langen Pfahl mit einem Haken. Dieser Haken ist für das Essen da, das man vor den wilden Bären schützt, während man daneben im sicheren Zelt schlummert. Wie – was – Bären? Abgesehen von Blairwitch, potenziellen Serienkillern und jeder Menge Thrill im nächtlichen menschenleeren Wald, wimmelt es in den Apalachen von Bären.

Trotz aller Bärenlektüre und Youtube-Ranger-Videos (“was tun, wenn Sie unterwegs einem Bären begegnen?”, wollte meine Liebste unbedingt eine ausgiebige Waldwanderung durch das Bärengebiet. “ok, ich mache ja jeden Scheiß mit”, dachte ich mit und rüstete mich ein wenig aus. Während der Einheimische auf sein Schießeisen vertraut, nahm ich ein Fernglas, eine kleine WM Tröte und ein kleines Messer mit. Plan: Kommt der Bär, ziehe dich langsam zurück (Fernglas) – entdeckt er dich und ist es ein Schwarzbär, so musst du Krach machen (WM-Tröte).

Ist es kein Schwarzbär oder ist ihm dein Lärm egal, so sind 90 Prozent aller seiner Aktionen Scheinangriffe und du musst cool bleiben (rennst du weg, dann sieht er dich als Beute – und er ist bis zu 60 Km/h schnell, kann klettern, schwimmen und warten!). Bei den übrigen 10 Prozent solltest du dich entweder tot stellen oder kämpfen. Da ich nicht der Totstell-Typ bin, hatte ich zu diesem Zweck einen dicken Ledergürtel dabei, der um den linken Arm kommt und das Messer dann rechts. Man muss dazu sagen, dass in der Vergangenheit (bis zum römischen Colloseum) nicht jeder Mensch den Kampf gegen einen Bären verloren hat… Bär hin oder her: Wenn es um meine Liebste geht, dann verstehe ich sowieso keinen Spaß.

Selbst in unserem Hotel hat der Bär seinen festen Patz. “Achten Sie bitte darauf, nicht nach Sonnenuntergang oder bei Sonnenaufgang auf dem Gelände unseres Resorts spazieren zu gehen”, heißt es in unserer Gästemappe – “wegen der Bären”. Ebenso soll man kein Essen nirgendwo liegen lassen oder beim Wandern gar mit sich führen. Da könnte der Bär gleich an ein All-you-can-eat Buffet denken und dich mit gleich als Hauptgang verspeisen.

Jedenfalls ging mein Plan nicht auf – der Bär kam nicht. Dafür konnte ich seine Spuren lokalisieren. Folgte ihnen aber lieber nicht.

Ausflug nach Mecklenburg, USA

Die Temperaturen in Banner Elk und Umgebung waren wie bei uns in Berlin. Stete 23-26 Grad Celsius. Für einen Südstaaten-Aufenthalt im Mai dann doch etwas frisch. Das lag aber an der Höhe. In den gesamten Appalachen bewegt man sich stets in 800 bis 1700 Metern Höhe. Banner Elk lag in 1400 Metern.
Um festzustellen, ob wir trotz Bergen wirklich in den Südstaaten unterwegs waren, unternahmen wir einen Tagesausflug nach Mecklenburg County – bei Charlotte (nach New York/ Manhattan die zweitgrößte Bankenmetropole der USA). Genauer gesagt: zu einem öffentlichen Badestrand am riesigen Lake Norman, der 240 Km entfernt war. Kaum waren wir nach etwa 80 Kilometern am Fuße des Gebirges angelangt, blies uns ein 35 Grad heißer, trockener Wind durch die offenen Autofenster. Die Landschaft ist hier verspielt hügelig und sehr weitläufig. Die allermeisten Dörfer wirken wohlhabend. Am wunderschönen, ruhig gelegenen Badestrand des Sees, der in einem State Nationalpark liegt, hielten sich nur um die zwanzig Badegäste auf – alle Amis in der prallen Sonne und wir als Europäer im Schatten. Kaum zurück in den Bergen gewitterte und regnete es bei 22 Grad. Das ist dann der Preis für einen Bergurlaub. Alles ist kälter und das Wetter unbeständiger.

Sapphire: Auf nach Transsylvanien

Am nächsten Tag ging es weiter, 260 Km in den Süden, nach Transylvanian County – nach Sapphire. Wieder ein Nobel-Ort. Erwartet hatte ich in Transsylvanien Fledermäuse. Doch am Empfang des Resorts (Foxhunt Sapphire Valley) begrüßte uns ein Schild am Tresen: “Vorsicht Bären”. Man riet dem Besucher: “Die Bären sind aus dem Winterschlaf erwacht und deshalb hungrig. Bitte wandern Sie nicht mit Lebensmitteln, lassen Sie sie nicht im Auto liegen und helfen Sie mit, diese wunderbaren Tiere zu schützen!” Alles klar, schützen wir die Bären, dachte ich mir.

Unser Haus befand sich diesmal in nur 800 Metern Höhe mitten im Wald – wie gesagt im Bärengebiet, komfortabel ausgestattet mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern, zwei Terrassen über zwei Etagen. Meine Frau und ich hätten hier die Tage jeweils alleine verbringen können, um uns dann in der Küche zu treffen. Taten wir aber nicht. Nur beim morgendliche Joggen meiner Frau trennten wir uns. “Meinst Du, ich treffe unterwegs auf Bären?”, fragte sie mich. “Nimm’ vorsichtshalber die Tröte mit, dann hört Dich der Bär und ich auch,” riet ich. Mit “Nee, was soll ich neben meiner Musik noch alles schleppen – da kommen schon keine Bären” schien das Thema dann geklärt. Letztendlich fuhren wir zum Freizeitbereich des Resorts, wo sie mit anderen Läufern und ohne Bären ihre endlosen Runden in 800 Metern Höhe drehen konnte, während ich am iPad saß und nebenbei Fotos machte. Morgens ist eben nicht meine aktive Zeit; vor allem nicht vor langen Wandertouren.

Am Badestrand des nahegelegenen Gebirgssees lernten wir den Tennislehrer des ansässigen Country Clubs kennen. Belustigt erzählte er uns, wie kürzlich ein Bekannter von ihm beim Gassi-Gehen auf einen Bären traf. Bären stehen auf Hunde. Das wusste der Mann und ließ seinen Hund zurück, während er selbst davon eilte. Letztendlich schien der Hund den Bären nicht zu interessieren; vielleicht hatte er gerade einen anderen verspeist und war satt. Seitdem war zwischen Hund und Herrchen das Vertrauensverhältnis etwas gestört. Vielleicht legen sich die Bergbewohner deshalb Hunde zu, dachte ich mir. Kommt der Bär, wirf ihn den Hund vor die Klauen. Dann kommst Du da heile raus.

Auch bei unseren nächsten Ausflügen ins nahe Gelegene South Carolina und zu den wunderschönen, einsam gelegenen Whitewater Falls – den größten Wasserfällen östlich des Mississippis blieb der Bär aus. Wahrscheinlich hatte er meinen Blog gelesen und wollte mir einen Strich durch die Rechnung machen. Oder die Bären waren satt.

Reisebericht Blue Ridge Parkway
Reisebericht Blue Ridge Parkway

Essen in den USA

Nicht alles, was gesund ist, schmeckt dem Amerikaner. Wie in meinen anderen US-Beiträgen erwähnt, ist das Essen in den Staaten so eine Sache für sich. Seth ist der Meinung, dass genügend gesunde Nahrungsmittel – auch von regionalen Farmern – angeboten werden; nur ist es eine Frage der guten Erziehung und der Bildung seit der Grundschule (und nicht eine Frage des Geldes!), wie ungesund sich die Leute ernähren. Man achtet heute mehr als früher auf die Qualität und die Kalorien. In vielen Diners und Restaurants findet man zudem auf der Speisekarte neben jedem Gericht die Kalorienangaben, eine Rubrik für leichtes Essen unter 600 Kalorien, weitere Rubriken für glutenfreie, vegetarische und sogar vegane Gerichte.

Wenn man im Supermarkt gut aufpasst, dann kommt man auch um die gentechnisch verseuchten Lebensmittel herum. In einem Supermatkt haben wir sogar Bio-Steaks (ohne Antibiotika, Zusatzstoffe aus kontrollierter Tierhaltung) bekommen. Niemand muss sich in den USA ungesund ernähren – aber man verdrückt hier lieber einen Donut als eine Möhre.

Der Mexikaner in Atlanta

Wir verließen das traumhafte Appalachen-Gebirge in Richtung Süden nach Atlanta, Georgia. Die weitläufige grüne Landschaft unterwegs wurde immer flacher und die Temperaturen stiegen mit den Kilometern bis auf 35 Grad Celsius. Die Farmen liegen weit auseinander und manche Dörfer wirken mit ihren vielen kleinen Läden fast schon europäisch.
Atlanta selbst erinnert ein wenig an Frankfurt am Main – nur dass die Highways hier teilweise bis zu 14 Spuren haben und alles insgesamt größer ist. Man fährt durch eine Stadt mit einer Hochhaus-Skyline und sehr viel Grün. Manche zentralen Stadtteile wirken wie Dörfer, die von Wäldern umgeben sind. Viele Wohlhabende leben hier.

In andere Stadtteile sollte man als Tourist nachts besser nicht fahren. Wir landeten abends bei einem Mexikaner in einem “hippen” Viertel und konnten dort sogar draußen sitzen und mit dem Kellner ein längeres Gespräch über Mexiko führen. Er war seit zehn Jahren in den USA und stammte aus Acapulco, Guerrero. Er bewunderte uns für unseren Mut, im letzten Jahr ganz alleine mit dem Auto eine Rundreise durch den Süden Mexikos unternommen zu haben (siehe Mexiko-Beitrag), da das Land ein großes Problem mit Kriminalität habe. Im Nachhinein bestätigte er unsere Sichtweise oder spitzte sie an einigen Punkten sogar zu, während wir bei einem Corona seinen Ausführungen lauschten.

Germans go home

Begegnungen mit Amerikanern haben wir während unserer Reise viele gehabt – in den Bergen (traditionell) mit der überwiegend weißen Bevölkerung und im Süden auch mit Schwarzen und Latinos. Nur der Kontakt zur British Airways blieb gestört. Besser gesagt, ich musste die Airline immer wieder kontaktieren. Bei mir hatte sich der Kundenservice kein einziges Mal während der ganzen Gepäck-Angelegenheit gemeldet (obwohl sie meine Handy-Nummer und E-Mail-Adresse besaßen). Für die Woche ohne Gepäck steht einem Schadensersatz zu. Das wollte ich geltend machen. Aber es wollte telefonisch niemand dafür zuständig sein und gab mir stets eine andere BA-Rufnummer.

Auch auf meine E-Mails, in denen ich den Sachverhalt (sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch) geschildert hatte, antwortete die British Airways bislang nicht. Nun wollte ich 12 Stunden vor Abflug den Online-Check-in durchführen. Selbst das klappte nicht. Der BA-Kundendienstmitarbeiter meinte, das wäre auch telefonisch nicht möglich. Er gab mir den äußerst hilfreichen Tipp, doch schon vier Stunden vor Abflug am Check-in Schalter des weltgrößten Flughafens einzuchecken und unsere Sitzplätze (wieder in der dritten Klasse auf Klappstühlen) zu reservieren. Danke, British Airways!

Nachtrag USA Reisebericht

Wir waren durch zehn Bundesstaaten etwa 4.000 Km mit dem Auto unterwegs und haben die meiste Zeit in Tennessee und North Carolina in durchschnittlich 1000 Metern Höhe in den riesigen Nationalparks verbracht. Dabei haben wir keine anderen europäischen Touristen getroffen und sind von den Amerikanern stets sehr offen und freundlich aufgenommen worden.

Dieser einzigartig schöne Teil der Ostküste ist für Ausländer ein Geheimtipp. Am besten, man reist wie wir ab Ende Mai und sucht sich eine Route mit schönen Hotels mitten in den Bergen. Wandern kann man hier ohne Ende, genauso auch Golf spielen oder raften.

Was die British Airways angeht, so muss ich fairerweise sagen, dass wir auf dem Rückflug gute Plätze mit Beinfreiheit am Notausgang bekamen und die Maschine moderner als beim Hinflug war. Ein Anruf beim Customer Relation Service in Kiel und einen Tag später hatte ich ohne Wenn und Aber die gewünschte Entschädigungssumme auf meinem Konto, nachdem ich die Quittungen eingereicht hatte. Auch die Gebühr für das zusätzliche Gepäckstück wurde anstandslos übernommen. In Europa scheint der Kundenservice hervorragend zu klappen.

Hardfacts und Tipps

Nie ohne Auto
USA ohne großes Auto ist wie Skifahren ohne Lift. Blitzer sind Polizeiauto-gebunden und stehen am Highway entweder an Brücken oder in Waldschneiden, die sich zwischen den Fahrbahnen befinden. Passe Dich an die Geschwindigkeit der anderen an. Hupe niemals – das macht hier niemand außerhalb von New York und L.A.

Steige bei einer Polizeikontrolle niemals aus und behalte die Hände auf dem Lenkrad, wenn Du nicht in Notwehr erschossen werden willst. Hier haben im Gegensatz zu Deutschland die Cops das Sagen.
Amerikaner fahren im Gegensatz zu uns Europäern sehr rücksichtsvoll und smooth. Im Land des Tempolimits sind sie auch nichts anderes gewöhnt. Ich habe hier noch nie schlechte Erfahrungen mit dem Autofahren gemacht.

Esskultur
Essen im Diner (billiger)/ Restaurant (teurer) nur typische US-Gerichte (BBQ, Steaks, Hamburger – das können sie viel besser als bei uns. Sei misstrauisch gegenüber typisch europäischen Gerichten, das geht oft in die Hose.
Trinke Bier statt Wein – außer es ist europäischer Wein oder du stehst auf Fuselweine (seien sie noch so teuer oder kalifornisch).

Unterkunft
Es ist sicherlich auch eine Geldfrage: Aber Motels sind entgegen unserer US-Kinoerfahrung meistens hässlich, laut und heruntergewirtschaftet. Suche Dir nur Hotels ohne Fenster zum Gang oder Parkplatz, die zudem nicht direkt am Highway liegen und einen Balkon besitzen. Wer wie bei uns zelten will, sollte wissen, dass das hier i.d.R. nur Pfadfinder in Gruppen tun und man mit großen Trailern unterwegs ist. Das kann eine einsame Angelegenheit am Waldrand werden.

Wandern
Die USA sind groß. Dementsprechend trifft man unterwegs nicht auf viele Wanderer. Der Appalachian Trail ist der längste Wanderweg der Welt.

Unsere Empfehlungen für eine entspannte Nacht 

Hidden Creek Cabins in Bryson City
Die Hidden Creek Cabin ist ein  gut ausgestattetes, ruhig gelegenes Blockhaus mit heißem Whirlpool auf der großen Veranda, Feuerstelle, Kamin und gemütlicher Ausstattung. Natur pur und genau das richtige für einen perfekten Natur-Bergurlaub.

Foxhunt Sapphire Valley* in Sapphire *(Affiliate Link)
In der Foxhunt Sapphire ValleyAnlage hatten wir ein großes Apartment, mit 2 Terrassen, Kamin und einer super ausgestatteten Küche. Das Apartment liegt sehr ruhig im Wald und verfügt über WLan. In unmittelbarer Nähe findet man wirklich alles – Badesee, Restaurants, Wanderweg, Supermärkte und eine Menge Golfplätze. Wer die Ruhe sucht und entspannen will, ist hier genau richtig.

Noch mehr Lesestoff? Na klar!

Für alle, die jetzt erstmal richtig auf den USA Geschmack gekommen sind, sollten unsere Reisegeschichten über Kalifornien, Utah & Colorado, den Mittleren Westen, Florida und New York lesen. Da ist für jeden was dabei.

Wir haben auch ein paar hilfreiche Tipps für die Reiseplanung in die USA oder für eine Mid-West USA Tour. Ihr wollt shoppen bis der Bär tanzt? Dann schaut mal hier in die Outlet Liste.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Reisebericht Kalifornien

In kurzen und in langen Flügen um die Welt.

Unsere Reisegeschichten: Amüsantes und Nachdenkliches von unterwegs.

Du bist dabei!