Schräge Flugbuchung – dumm und dümmer

In Punkto “wie buche ich meinen Flug von Berlin nach Los Angeles am allerdümmsten” lagen wir auf unserem Reisetrip nach Kalifornien ganz weit vorne. Das geht so: Flüge nach Chicago sind die preiswertesten in die USA. Wir buchten bei American Airlines (AA) einen Flug ebendorthin, um in Chicago eine Nacht zu bleiben und am nächsten Nachmittag mit einem ebenfalls preisgünstigen Flug nach L.A. zu gelangen. Gesagt – gebucht.

Iberia sollte besser nur in Spanien fliegen

Nun die Haken, die bei der Sitzplatzreservierung anfingen: AA fliegt nicht selbst, sondern lässt hin Iberia (über Madrid mit 1 Stunde Aufenthalt) und zurück British Airways (über London) fliegen. Es gibt über AA-Iberia keine Online Sitzplatz-Reservierung und keinen Online Check-In. Ruft man beim Iberia-Kundenservice an, so wird vorgegeben, dass man dort telefonisch zum Onlinepreis für 33 Euro einen Sitzplatz reservieren kann, der dann beim Einchecken beim Schalter zu bezahlen ist.

Dafür erhält man sogar eine Bestätigungs-E-Mail mit Sitzplatznummer. Am Schalter wusste man nichts von alledem – keine Reservierung – keine Nummer – nur ein höherer Preis über 40 Euro und glücklicherweise waren noch zwei von den vier freien Zweiersitzen für den Langstreckenflug zu haben. Hinzu kommt dann noch die Umsteigezeit von 60 Minuten. Man muss schnell raus aus dem Flieger, vom Terminal 4 durch eine Sicherheitskontrolle zum Terminal 5 gelangen und hoffen, dass das Boarding nicht 15 Minuten vor Abflug endet – eine Sportveranstaltung eben. Man benötigt dazu Turnschuhe, einen Trolli mit geölten Rädern und eine laute Stimme (“Platz da!”).

Unser Abfertiger am Schalter kannte diese Problematiken bereits. “Ja, ich sage den Fluggästen immer, sie sollen Verbesserungsvorschläge bei Iberia schriftlich einreichen.” Ja, liebe Iberia-Manager, lest Euch das mal durch, denn wer setzt sich zu Hause hin und tippt diese banalen Verbesserungsvorschläge, die Ihr nicht umgesetzt bekommt? Das war es aber lange noch nicht.

Preisfalle Inlandsflug Chicago – Los Angeles

Weil ich etwas zum Einschlafen brauchte, las ich mir glücklicherweise die Beförderungsbedingungen der Spirit-Airline ein paar Tage vor unserem Abflug durch. Und siehe da, der Fluggast sollte am besten nackt in den Flieger steigen und für jedes einzelne Kleidungsstück, das er tragen will, bezahlen. Wir hatten bei der Flugbuchung je einen Koffer als Gepäckstück (natürlich mit den Sitzplätzen) dazubezahlt.

Was ich überlesen hatte: Es handelte sich um nur 18 Kg pro Koffer und jedes Kabinengepäckstück, das größer als eine Damenhandtasche, kostet direkt am Flughafen 100 Dollar extra. Eine minutiöse Preisstaffelung unterscheidet zwischen: Gepäck beim Buchungsvorgang direkt dazubuchen, danach, beim Online-Check-In und dann vor Ort am Schalter, wo das Spirit-Personal Passagieren mit etwas zu großen Kabinengepäck die 100-Dollar-Scheine einsammelt.

Ein einträgliches Geschäft. Und nach einer ausgiebigen Shoppingtour in Kalifornien reichen die 18 Kg gerade mal für die Hälfte dessen, was man so mitschleppt. Aber so strikt schienen diesbezüglich die Kontrollen dann auch nicht zu sein. Das Bodenpersonal wirkte (wahrscheinlich wegen des niedrigen Lohns) ziemlich unmotiviert. Das Bordpersonal hingegen war ein bunter überdrehter Haufen und der Chefsteward riss durch das Bordmikrofon einen Witz nach dem nächsten.

Wem der Überlandbus (“Greyhound”) zu lange dauert, aber trotzdem gerne Sozialstudien durchführt, dem sei ein Flug mit Spirit Airlines zu empfehlen. Hier kann man einen bunten Mix – einen Querschnitt durch die Bevölkerung – erleben: Reiche, Arme, Latinos, Schwarze, Asiaten, Behinderte, Alte und Junge, Hipster, Transsexuelle, Gangstertypen und Großfamilien mit der hundertjährigen Oma im Rollstuhl dabei.

Fazit: Buchen Sie am besten ausschließlich bei Fluggesellschaften, die selbst in die USA direkt zum Zielort fliegen und weder über Reiseveranstalter noch über Dritt-Fluggesellschaften wie AA. Dadurch können Sie Meilen sammeln, Sitzplätze kostenfrei erhalten und müssen keine “Verbesserungsvorschläge” an einen toten Briefkasten in Madrid schicken.

Reisebericht Kalifornien

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