Wir folgen dem Ruf Colorados

Wer gerne in die Staaten reist, kommt an den Fototapeten-Staaten Colorado und Utah nicht vorbei. Auch meine Frau und mich hatten die eindrucksvollen Fotos in Bann gezogen, die man bei der Google-Bildersuche aufruft, wenn man die Namen dieser Bundesstaaten eingibt. Außerdem ist Colorado angeblich der Sportlichste aller US-Bundesstaaten. Wegen der vielen Berge und der permanenten Höhen über 1.000 Meter; selbst im Flachland. Auch das reizte uns.

Berge, Sport und Panorama. Unser Plan: Mit British Airways (BA) nach Denver fliegen und von dort aus mit einem großen Auto die weite Runde durch die Wüsten, Steppen und Berge drehen. Außerdem wollten wir an der Grenze zu New Mexico Freunde besuchen. Mitte Mai 2015 ging die Reise los.

In London stiegen wir erwartungsvoll in den BA-Flieger. Uns erwartete eine Boeing 747 aus dem letzten Jahrhundert. Wie sich herausstellte, konnte sie noch fliegen. Vor uns je ein Monitor in doppelter Smartphone-Größe, auf dem gleich zwei deutschsprachige Filme gezeigt wurden. Nach 10 Stunden landeten wir am Abend in Denver. Das liegt in etwa 1.000 Metern Höhe – also weitaus tiefer als die meisten anderen Orte in Colorado und seinen Nachbarstaaten. Daran muss man sich erstmal – aus dem flachen Berlin kommend – gewöhnen.

Denver: Frecher Vermieter

Wieder führte unser Weg zu Alamo, der Autovermietung. Diesmal hatte ich einen SUV “Jeep Grand Cherooke oder vergleichbare Größe” gebucht. Viel Shoppen, viel Gepäck, viel Platz, lange Strecke – großes Auto, dachte ich mir dabei. Der anfangs freundliche junge Alamo-Agent aber hatte für uns einen kleineren Honda-SUV bereitgestellt. “Das ist das einzige Modell in dieser Kategorie, das ich Ihnen geben kann”, versicherte er mir.

Also nichts von wegen üblicher Auto-Auswahl zwischen zehn verschiedenen Modellen mit Probesitzen und Qual-der-Wahl-Aussuchen. Ich wollte aber den Honda nicht und auch keinen Aufpreis für ein anderes Modell bezahlen und diskutierte. Dem Mitarbeiter riss allmählich der Geduldsfaden. “Wir werden die Situation zu Ihrer Zufriedenheit lösen”, versprach er mir, gab mir seine Karte und genervt setzte ich die üblichen Unterschriften unter unbekanntes Kleingedrucktes.

Ich entschuldigte mich kurz für meine schlechte Laune. Nach insgesamt 16 Stunden Reisezeit war ich etwas übermüdet. Wir gingen auf den Hof zum Auto und er präsentierte mir ein anderes, größeres Modell. Einen Benzin-fressenden Dodge.

“Das ist ein kostenfreies Upgrade für Sie, aber heulen Sie nicht wie ein Baby”, gab mir der Mitarbeiter frech zu verstehen. “Andere Leute haben größere Probleme als die Wahl eines Autos. Ich zum Beispiel war noch nie außerhalb der Vereinigten Staaten im Urlaub. Genießen Sie Ihre Reise und hören Sie auf zu meckern.”

So deutliche Worte hatte ich noch nie von einem Mitarbeiter einer Autovermietung gehört. Das ist doch mal Kundenservice dachte ich mir und wir fuhren mit dem großen Benzinfresser in Richtung unseres ersten gebuchten Hotels, das etwa 100 Kilometer entfernt in Colorado Springs lag.

Am nächsten Morgen sollten wir auf halber Strecke wieder zurück in Richtung Denver fahren. Welcher Schwachkopf kann so etwas nach 12 Stunden reiner Flugzeit planen, dachte ich mir. Mir fiel ein, dass ich es war. Anstatt die 100 Kilometer völlig übermüdet nach Colorado Springs zu fahren, mieteten wir uns spontan im La Quinta Inn in Castel Rock ein. Pech gehabt mit dem anderen Hotel.

Am nächsten Tag gut ausgeschlafen wurde mir die Frechheit des Alamo-Mitarbeiters richtig bewusst und ich kramte die Visitenkarte mit seiner E-Mail-Adresse aus meiner Hosentasche. Ich schrieb ihm, dass ich es sehr entgegenkommend fand, mir ein kostenfreies Upgrade zu geben. Das gebe ihm aber nicht das Recht, mich zu beleidigen. Schließlich arbeite auch ich, um mir so ein Auto zu leisten und als Kunde bezahle ich seinen Job mit. Gerne könne er über sein Verhalten nachdenken und sich bei mir entschuldigen – damit wäre die Sache für mich in Ordnung.

 

Ich schickte die E-Mail ab und unser Weg führte (wie immer bei unseren USA-Besuchen) zuerst in die heiligen Shopping-Hallen – diesmal von Castle Rock. Nach vielen gymnastischen Übungen in sämtlichen Umkleidekabinen und Jogging-Runden durch die Shops piepste mein Smartphone. Es war eine Entschuldigungs-Antwort des örtlichen Alamo-Managers, der meine E-Mail gelesen hatte. Scheinbar handelte es sich nicht um die “persönliche” Mail-Adresse des frechen Mitarbeiters sondern um die der ganzen Filiale. Das war mir unangenehm, da ich die Sache erst mit dem Mitarbeiter persönlich klären wollte. Jeder sollte seine Chance erhalten, sich zu entschuldigen, bevor man eine Etage höher vorstellig wird. Sofort dachte ich an jene Rubrik des SZ-Magazins, in dem wöchentlich Gewissensfragen diskutiert werden.

“Was ist, wenn der Mitarbeiter wegen mir (oder eben wegen seiner Frechheit) seinen Job verliert?” Die Frage beschäftigte mich und ich schrieb dem Manager, dass ich lediglich eine Entschuldigung und keine weiteren Konsequenzen möchte und wir schließlich alle mal Fehler machen. Eine Antwort blieb aus. Die Reise in den Westen fängt ja wild an, dachte ich mir und wir fuhren weiter in den Süden in eine Kleinstadt zu unseren amerikanischen Freunden.

Trinidad und nicht Tobago in Colorado

Wyatt Earp war hier mal Sheriff. Billy the Kid wuchs in der Nähe auf. Die Stadt galt bis 1880 (seit es zu Colorado gehört) und darüber hinaus als Treffpunkt für Gesetzlose, Revolverhelden und Glücksspieler. Auch führten große Siedlertrecks durch diese Gegend, bis die Eisenbahn kam. Die Rede ist von Trinidad in Colorado, das direkt an der Grenze zu New Mexico liegt.

Anfang des 20. Jahrhunderts fand man hier Kohlevorkommen und die Stadt boomte. Im Zweiten Weltkrieg beherbergte Trinidad ein Kriegsgefangenenlager, in dem deutsche Soldaten interniert waren. Später wurde der Kohletagebau eingestellt, viele Arbeiter mussten fortziehen, um woanders einen Job zu finden und es es folgten wirtschaftlich schlechtere Zeiten. Dann siedelte sich eine plastisch-chirurgische Klinik an und Trinidad wurde zum Zentrum für Geschlechtsumwandlungen in den USA. Das brachte wieder Geld in die 10.000 Seelen-Gemeinde. Schließlich setzten sich die Konservativen durch und die Klinik musste 2011 schließen. Zuletzt entdeckte man Methangas in der Gegend um Trinidad und begann, es in den 1990ern mit der äußerst umstrittenen Frackingmethode zu fördern.

Ein Erdbeben der Stärke 5.8 (Richterskala) in Trinidad im Jahre 2011 und die Gefahren des Fracking für das Trinkwasser führten zu einer hitzigen Debatte und letztendlich zur Einstellung des Frackings bzw. der Methangas-Förderung. Nun werden in Trinidad neue Einnahmequellen gesucht, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Dabei würde sich diese pittoreske Kleinstadt, die in 1.800 Metern Höhe inmitten einer abwechslungsreichen Berglandschaft nahe eines Sees liegt, sehr gut für den Wander-Tourismus eignen. Man entdeckt hier hoch in den Bergen neben Bären, Hirschen und Adlern viele Laubbäume und sogar eine Kakteenart. Auch kulturell hat Trinidad neben seinen Marihuana-Shops (das ist in Colorado übrigens legal) einiges zu bieten.

Noch heute kann man die Gebäude aus der Wildwest-Zeit bewundern und das Stadtbild besitzt einen einzigartigen Charme, der untypisch für das moderne Nordamerika ist: Kleine Läden, eine historische Altstadt mit kleinen Straßen und rundherum eine schnucklige Wohngegend auf den umliegenden Hügeln und Bergen. An einem dieser Hügel wohnen unsere amerikanischen Freunde, die wir besuchten. Uns erwarteten ein großartiges Frühstück und jede Menge spannender Geschichten aus den USA und aller Welt. Entgegen vieler USA-Klischees ist unser befreundetes Ehepaar nicht fernsehsüchtig, ernährt sich mit regionalen und Bioprodukten sehr gesund, treibt Sport und ist belesen. Es gibt in ihrem Haus sogar eine kleine Bibliothek. Ähnlich wie wir reisen sie gerne und viel zu kulturell interessanten Orten.

Nachdem wir Trinidad kennengelernt und in unser Herz geschlossen, und einen wunderschönen Tag mit sehr leckerem Abendessen bei unseren Freunden (die wir später noch einmal treffen sollten) verbracht hatten, zogen wir am nächsten Tag frühmorgens weiter, um über einen Umweg durch New Mexico nach Blanding, Utah, zu gelangen.

Randy: ‘Aber wenn die South Park überlaufen, seid ihr doch die nächsten!’
Schwarzenegger: ‘Nein, zwischen Colorado und Kalifornien liegt immer noch Utah.’
Randy: ‘Oh. Gut, aber wenn auch Utah von New Jersey erobert wird, wer kommt dann?’
Schwarzenegger: ‘Nevada.’
Randy: ‘Ach wirklich? Und weißt du was dann passiert? Dann ist die Steiermark dran!’

Randy Marsh

New Mexico und Easy Rider

Der Weg führte über eine tiefe Schlucht des Rio Grande nach Taos, einer kleinen verschlafenen Hispano- und Indianerstadt in 2.100 Metern Höhe, die durch ihre eindrucksvolle Adobe-Bauweise auffällt. Es gibt an den lehmbraunen, kleinen Häusern kaum Ecken und Kanten.

Alles ist abgerundet wie ein Hobbit-Haus ohne Strohdach. In der Indianerstadt kann man Donald Rumsfeld und auch Julia Roberts über den Weg laufen (falls sie nicht wie die meisten Amis mit dem Auto von Shop zu Shop cruisen). Beide leben dort.

Wir trafen sie aber nicht, sondern hielten an, um in einem alten Hippie-Cafe Rast zu machen. Angeblich verkehrten dort in den 50er Jahren die Beatnicks. Vielleicht war das einer der Gründe, warum in Taos der Film Easy Rider gedreht wurde und man hier das Grab von Dennis Hopper findet. Der Latte Macchiato schmeckte trotz aller Prominenz schrecklich und wir setzten unsere Reise fort.

Stattdessen steppiges Weideland und wüstenähnliche Hügelformationen. Hier und dort ein paar Büffel oder auch Rehe. Die Höhe trotz der Weite dieses Landes: stets 1.500 bis 2.000 Meter. Hier wird der Büffel topfit. Am Ende der Strecke fuhren wir durch ein Navajo-Reservat, das sich optisch kaum von anderen Gegenden unterschied, um in den Mormonen-Staat zu gelangen.

Endstation Blanding in Utah

Dieses verschlafene Nest am Rande zahlreicher Ausgangspunkte für Wanderungen hat wenig zu bieten.
Ein Diner, drei Tankstellen (die außerhalb des Dorfes verkauft Bier) und ein Supermarkt. Der Ort wirkt etwas trist und könnte angesichts der durchreisenden Touristen mehr aus sich machen. Im Diner trafen wir auf ein junges deutsches Paar, das eine Rundreise von Los Angeles über Phoenix und dann Blanding zu den nördlichen Nationalparks Utahs unternahm.

Der junge Mann prahlte mit seinem Midsize SUV, der neben unserem Dodge wie ein Kleinwagen wirkte. Aber diese Bemerkung konnte ich mir verkneifen.

Gebucht hatten wir bei Blanding eine schöne Berghütte mit Selbstversorgung inmitten der Natur. Als wir am Abend ankamen, begrüßte uns der freundliche Besitzer und wir landeten in einer kleinen Kammer (eine halbe Blockhütte) mit 3 Betten und einer kleinen Gasheizung. Sonst nichts. Keine Küchennische, kein eigenes Bad, keine richtige Heizung (nachts ist es auf 2.200 Metern etwas kälter). Das Bad/WC war in einem Verschlag gegenüber. Drumherum grasten Rehe und der Blick in die Berglandschaft war sehr schön.

Davor eine Lagerfeuerstätte und ein Grill. Bis vor 10 Jahren wäre das absolut mein Ding gewesen. Heute hat man sich an gewisse Standards gewöhnt, wenn man für so eine Unterkunft genauso viel bezahlt wie für ein größeres Zimmer mit Frühstück im La Quinta Inn. Abenteuer ja, aber nicht mit abenteuerlichen Preisen. Also falsche Baustelle, dachte ich mir. Wir blieben hier nur eine Nacht am Lagerfeuer und buchten dafür bei unserer nächsten Station einen Tag hinzu.

Wow in Route US-95 und Glen Canyon

Wieder wählten wir einen Umweg, um an unser nächstes Ziel (St. George, Utah) zu gelangen. Er stellte sich als absolutes Panorama-Highlight heraus: über die US-95 durch den Glen Canyon und Capitol Reef Nationalpark vorbei an Torrey, dem Bryce Canyon und auf den Highway 12. Diese Route ist der absolute Geheimtipp und zeigt alles, was Utah landschaftlich zu bieten hat: Schneelandschaft in 3.000 Metern Höhe, Wüstenähnliche Steppen mit bizarren Felsformationen, endlose Sandsteingebirge, Birkenwälder, und jede Art von Steinen in den mächtigen Gebirgen. Mit anderen Worten: Die Alpen, die Pyreneen, das Elbsandsteingebirge und peruanische Hochplateaus auf einer Route: und das im XXL-Format. Wir wurden ganz heiser vor lauter “Wow”- und “Guck mal da”-Ausrufen. Am Ende krächzten wir, wie schön das alles ist.

Vor lauter Panorama-Optik kamen wir kaum vorwärts, denn alle paar Kilometer hielten wir an, um stets eindrucksvollere Fotos zu machen. Nun wurde uns klar, warum man bei uns die US-Amerikaner nur in Neuschwanstein und kaum auf anderen Bergen findet. Was soll sie dorthin locken? In Colorado, New Mexico und Utah haben sie viel eindrucksvollere Gebirge und vor allem: viel mehr Platz. Keine Menschenseele weit und breit – keine Dörfer, kein hässlicher Windradpark und keine endlosen Überlandleitungen.

Den Abschluss dieser Strecke nach St. George bot der Highway 12, der hoch oben über eine Gebirgskette durch den Dixie National Forest nach Boulder und Escalante in Richtung Panguitch, Bryce Canyon, führte. Teilweise ging es links und rechts neben der Straße tief in den Abgrund. Wer hier von der Straße abkommt, sollte einen Fallschirm mit im Auto haben.

Wer auf der Straße bleibt, wird mit grandiosen Panorama-Ausblicken belohnt, Berglandschaften soweit das Auge reicht. Welches Land kann diese landschaftliche Vielfalt, Schönheit und weitläufige Größe toppen?

Nevada nebenan: Viva Las Vegas?

Wenn man schon mal in der Gegend ist: Von St. George sind es knapp zwei Autostunden bis nach Las Vegas. Eine Stunde später kommt man an. Wie ist das möglich? Andere Zeitzone. Wer nach Nevada fährt, wird nicht von einem Landesschild begrüßt, wie das in anderen Bundesstaaten oder sogar bei uns (z.B. Sachsen-Anhalt: “Willkommen im Land der Frühaufsteher”) der Fall ist. Man ist dann aus Utah und Arizona kommend irgendwann einfach da. Dabei könnte sich Nevada als Spielcasino-Staat so ein Schild leisten. Vielleicht ist man sich nicht einig geworden, ob darauf ein Kaktus, eine Spielkarte oder ein durchgestrichener Brunnen im Land der chronischen Wasserknappheit zu sehen sein soll.

Jeder kennt die weltberühmte Casino-Stadt in der Wüste von Nevada zumindest aus dem Fernsehen. Gezeigt werden stets nächtliche, bunte Leuchtreklame-Szenerien. Showtime und Glamour. Es ist hip, in einer der vielen Hochzeitskapellen schnell und unbürokratisch vor der Spielcasino-Kulisse zu heiraten oder sein Geld beim Glücksspiel zum Fenster herauszuwerfen. Las Vegas ist in den USA gleichbedeutend mit Party. Aber jede Party endet irgendwann und am Tage sieht die Welt nüchterner aus.

Das erste Bild, das sich nach der Highway-Abfahrt von dieser Touristenattraktion am Vormittag bot, waren weder Kakteen noch Spielkarten sondern Obdachlose unter Autobahnbrücken. Dann Straßenzüge, wie man sie aus Miami kennt: Palmen-Alleen und bombastische Hotels, Casinos oder Hotel-Casinos. Das Ganze mit einem Schuss Disneyworld, mit teilweise verrückten Film- und Märchenmotiv-Fassaden. Zwischendrin viele Obdachlose oder Leute, die zumindest so aussehen. Vielleicht ist Las Vegas ein passendes Abbild dessen, was in den vergangenen Jahrzehnten aus dem amerikanischen Traum geworden ist: Viel Fassade – durchgedrehter Turbokapitalismus mit schalem Beigeschmack. Alle feiern, aber die wenigsten sind wirklich glücklich, weil sie so viel so hart arbeiten müssen, um zumindest ein kleines Stück dieses Traums genießen zu können. So könnte man Las Vegas in aller Oberflächlichkeit und Kürze abhandeln. Sicherlich hat die Stadt mehr Facetten. Aber um das herauszufinden, müsste man es hier länger als nur einen Tag aushalten.

Was die soziale Situation angeht, so rangiert Las Vegas in der US Kriminalitätsstatistik auf Platz 4 (gemessen an der Einwohnerzahl). Also Türverriegelung ein und Augen auf. Der große Las Vegas Thrill blieb aus und wir fuhren aus dem langweiligen Nest wieder zurück nach St. George, wo es tags darauf zum Schießen gehen sollte.

Zum Schießen komisch: Shooting Ranch

Die Pazifisten unter den geehrten Lesern sollten an dieser Stelle das Kapitel überspringen.

Ein großer Teil der Amerikaner findet es wichtig und richtig, eine Waffe zu besitzen. Das liegt vor allem in der Geschichte begründet, als es auf dem weitläufigen platten Land keine Polizei gab, die schnell vor Ort sein konnte und die Siedler sich vor Banditen selbst schützen mussten. Auch der Unabhängigkeitskrieg gegen die Engländer (an deren Seite Ende des 18. Jahrhunderts u.a. deutsche Söldner aus Hanau, Braunschweig, Bayreuth, etc. sowie ein paar Indianerstämme kämpften) konnten mit Hilfe der bewaffneten Siedler gewonnen werden. Das ist bis heute im US-amerikanischen Bewusstsein verankert. Auch hört man von Waffenbefürwortern das Argument, dass man im Falle einer sich anbahnenden Diktatur in der Lage ist, “die Freiheit im eigenen Land zu verteidigen”. Außerdem sollte ein Gleichgewicht zwischen gut und böse hergestellt werden.

Will heißen: Die Guten sollen zurückschießen dürfen. Eine Waffe erhöht das Sicherheitsgefühl. Und auch das Ego. In manchen Staaten wie in Colorado gibt es sogar eine “Open Carry Bewegung, die dafür eintritt, eine Waffe zum Beispiel beim Shoppen offen tragen zu dürfen. In den großen Malls in Colorado erlauben das die Shop-Besitzer aber nicht. Wahrscheinlich ist ihnen dieses martialische Gehabe gegenüber den zahlungskräftigen Touristen unangenehm.

Die Diskussion, ob Waffen nun legal sein sollten oder nicht, führt in den USA zu nichts. Dafür sind sie zu weit verbreitet und fester Bestandteil der Kultur. Würde man die Waffen verbieten, so hätten die meisten Amerikaner noch einige Guns unter dem Bett versteckt – die Kriminellen würden sie ohnehin weiter besitzen. Ein Unterschied zwischen den USA und Deutschland: Bei uns besitzen überwiegend die Kriminellen Waffen und wer jemanden erschießt bzw. zu Tode prügelt, kann nach 4-5 Jahren “guter Führung” frei kommen, wenn er nachweist, dass er betrunken war und der Richter den Übeltäter wegen dessen schwerer Kindheit bemitleidet. In den USA besitzen überwiegend Nicht-Kriminelle eine Waffe und man erhält als Todesschütze laut Gesetz eine erheblich härtere Strafe; ganz ohne Alkoholausrede und Kindheitsgeschichte.

Das hängt auch davon ab, ob man sich einen guten Anwalt leisten kann und wie die Stimmung der Geschworenen ist. Hinzu kommen noch Justizirrtümer, die aufgrund der teilweise unzureichenden Beweisführung und ungenauer Rechtsprechung passieren. In manchen Staaten gibt’s dazu die Todesstrafe. Paradoxerweise ist dort die Kriminalität (auch) besonders hoch, wo die Waffengesetze schärfer sind. Ebenfalls ein Argument der Waffenlobby.

Mein Fazit in diesem Reisebericht: Es ist nicht die Waffe, von der die Gefahr ausgeht, sondern stets der Mensch, der sie trägt. Idealerweise sollte dieser zum Führen einer Waffe vorstrafenfrei, alt genug sein und ein hohes Verantwortungsgefühl besitzen.

In diesem Sinne wollte ich auch mal schießen üben und wir fuhren in St. George, Utah, zu einer Shooting Ranch. Hier muss man einen Führerschein vorlegen und einen Fragebogen ausfüllen (Vorbestraft? Aktuell angeklagt? etc.). Dann erhielten wir eine ausführliche Einweisung mit Sicherheitshinweisen und worauf man achten muss. Die meisten Waffen waren made in Germany.

Ich durfte mit einem der 26 Nationalsymbole von Utah (neben dem Bienenkorb, der Kirsche und der Zuckerrübe), einer 9 mm Browning (die in Utah von John Browning erfunden wurde) sowie einer deutschen, ebenfalls 9 mm, Sig. Sauer feuern. Die größeren Kaliber und automatischen Gewehre sparte ich mir, so groß ist die Waffenliebe dann doch nicht.

Schießen ist erschreckend einfach und auf ein stehendes Ziel in ein paar Metern Entfernung trifft man immer. Die Chancen, von einem Schützen nicht getroffen zu werden, erhöhen sich, wenn man sich seitlich und im unregelmäßigen Zickzack-Lauf von ihm wegbewegt. Glücklicherweise mussten wir das auf der Shooting Ranch nicht und trotz allem macht das Schießen Spaß.

Dieser Spaß verging uns, als wir ein paar junge Frauen im Laden sahen, die sich Pistolen ausliehen. Sie wirkten pubertär und ich hätte ihnen noch nicht einmal eine Wasserpistole ausgehändigt. Wer weiß, wie ihr Konfliktverhalten aussieht, wenn man ihnen in die Quere kommt.

Viel entspannter wirkte ein anderer Kunde. Von oben bis unten bewaffnet mit kugelsicherer Weste und automatischem Gewehr ausgestattet stand da ein tätowierter Glatzkopf. Er sah aus wie ein Biker. Wir kamen in’s Gespräch und es stellte sich heraus, dass er Kopfgeldjäger war. Sein Job: ausgebüchste Gefangene, entflohene Freigänger und gesuchte Straftäter dingfest machen und die für sie ausgesetzte Belohnung kassieren. Ein Beruf, den es schon seit dem Wilden Westen gibt. Damals mit Colt und Winchester, heute mit automatischen Waffen und High Tech-Ausstattung.
In den USA gibt es hierzu eine beliebte Reality-Serie: Dog the Bounty Hunter. Das ist eine Sendung über ein Kopfgeldjäger-Paar. Er sieht aus wie eine Mischung aus Hells Angels Rocker und Wrestling-Star und sie könnte als jüngere Schwester von Dolly Parton durchgehen – nur etwas korpulenter.

US Amerikanische Fresstempel

Korpulent geht es auch in den All-you-can-eat Diners zu. So einen besuchten wir nach dem gelungenen Schießbuden-Ausflug. In fast jeder Kleinstadt findet man chinesische, texmex oder “normale” Buffet-Diners, bei denen man sich für 11 bis 13 Dollar vollstopfen kann, bis der Arzt kommt. Wer als Superschwergewicht hier einkehrt und am Kuchentresen steht, dem glaubt man die Geschichte mit der Stoffwechselerkrankung nicht. Ist auch nicht schlimm, so lange man im Flugzeug nicht nebeneinander sitzen muss.

Man findet in den Fresstempeln sogar Salat-Bars. Üblicherweise ist hier nicht viel Gesundes zu erwarten, das Gemüse ist absolut geschmacksneutral und man ertränkt den Salat in einer der vielen dicken Dressingsaucen. Wer vorgibt, abzunehmen, nimmt dann die “zuckerfreie” Sauce. Noch heute glauben viele Amerikaner (und auch Europäer), dass in “zuckerfreien” Lebensmitteln kein (künstlicher) Zucker enthalten ist. Die Gläubigkeit, dass Zusatzstoffe und Pillen und nicht eine gesunde Ernährung im Zusammenhang mit Bewegung die Allheilmittel sind, wird in den USA immer noch von der Fernsehwerbung genährt. Aber es gibt Hoffnung.

Sobald wir auf unserer Tour ein Apartment oder Haus hatten, konnten wir im Biomarkt einkaufen. Bezeichnenderweise trifft man hier ein ähnliches akademisch-linksliberal aussehendes Publikum wie in Berlin-Prenzlauer Berg. Das Gemüse hat hier mehr natürlichen Geschmack und kann mit unserem Supermarktgemüse von Aldi, Lidl, Penny und Co gut mithalten. Wer beim Reisen allergrößten Wert auf sehr gutes Essen legt, sollte besser in Europa (außer Großbritannien) bleiben bzw. lieber nach Spanien, Frankreich, Italien oder gar nach Deutschland reisen. Wer wie wir auch mal einen kulinarischen Survival-Urlaub macht, sollte sich mit Donuts, Waffeln, Burgern und Steaks begnügen. Dafür haben die USA jede Menge anderer schöner Seiten zu bieten.

Vollgestopft wie die Weihnachtstruthähne verließen wir den Fresstempel und am zweiten Tag St. George in Utah ging es in den berühmten Zion Nationalpark. Dieser Park ziert Fototapeten und Postkarten. Er wird von den Bussen direkt nach dem Grand Canyon angesteuert. Alle fahren dorthin.

Zion Nationalpark

Nun standen wir mit unserem Dodge in der Warteschlange vor dem Eintrittshäuschen und die Blechlawine schob sich an der Kasse vorbei direkt auf die Straße, die durch den Park führte. Zahllose Reisebusse und Massen an Touristen aus aller Welt belagerten den Park. Dabei sieht man hier das im “Kleinformat”, was fast überall im Süden Utahs zu sehen ist.

Mit dem Besuch dieses Parks wurde uns bewusst, dass die vielen Pauschaltouristen einen bestimmten Anlaufpunkt brauchen, an dem sie ein kleines Stück Utah zu sehen bekommen, bevor ihre Busse am selben Tag nach Las Vegas oder in den Grand Canyon weiterreisen.

Der Zion Nationalpark ist wie eine “kleine” beschauliche Ranch, zu der die Leute kommen, um sich die Pferde im Stall anzusehen, während drumherum im ganzen Land große Herden von Wildpferden zu sehen sind. Das für 25 Dollar Eintritt pro Auto.

Selbst schuld dachten wir uns und verließen den Park nach einem kurzen Fotoshooting auf schnellstem Wege.

Wikinger in Utah

Am kommenden Tag ging es nach einem typisch US amerikanischen Waffel-Toast-Rührei-Frühstück (das unverständlicherweise Besucher aus Deutschland in der Hotelbewertung lobten) auf den Highway in Richtung Fountain Green, einem Bergdorf 100 Kilometer südlich von Salt Lake City. Wir näherten uns “Little Denmark” (hier wohnen viele Nachfahren der angesiedelten Skandinavier) und dem Mormonen-Land. Dazu sollte man wissen, dass hier 60 Prozent von Utahs knapp drei Mio Einwohnern mormonischen Glaubens ist und man in fast jedem Dorf eine monumentale Spitzdach-Tempel-Kirche findet (in denen Nicht-Mormonen keinen Zutritt haben). Das hängt damit zusammen, dass seit den 1850er Jahren in Europa seitens “der Kirche Jesu Christus der heiligen der letzten Tage” sowie der Regierung verstärkt der Zuzug von Mormonen gefördert wurde.

Es kamen große Trecks von Gläubigen aus ganz Europa über die Ostküste auf den beschwerlichen Landweg, um hier ein neues Leben zu beginnen. Nachdem Utah in die Vereinigten Staaten von Amerika aufgenommen wurde, lockerte sich das enge Verhältnis von Bundesstaat zu Kirche und man schrieb deren strikte Trennung in die Verfassung, ebenso wie die Religionsfreiheit und das Verbot von Sekten in öffentlichen Einrichtungen und auch der Polygamie. Trotzdem sind im republikanischen Utah nicht viele andere Kirchen (Baptisten, Katholiken, Protestanten) sichtbar wie beispielsweise an der Ostküste. Aber als Tourist bekommt man vom Mormonentum außer der speziellen Ortsnamen (Ephaim, Jericho, Orem, Salem, Nephi, …) nichts mit – von außen betrachtet wirkt hier alles brav und beschaulich.

In der 1.000-Seelen Gemeinde Fountain Green erwartete uns mitten in den Bergen auf 1.700 Metern Höhe ein schnuckliges Landhaus aus den 1920er Jahren, natürlich modernisiert und gut ausgestattet. Hier blieben wir für vier Nächte, konnten so langsam richtig ankommen und bereisten die weitere Umgebung wie Salt Lake City oder den Mount Nebo, einem wunderschönen Bergmassiv in knapp 3.000 Metern Höhe mit Schneedecke. Fountain Green selbst hat außer seiner schlichten Schönheit von teils einfachen Grundstücken, ein paar Farmen, einem Gemischtwarenladen und einer Tankstelle wenig zu bieten. Muss es aber auch nicht. Wer hierher kommt, sucht ohnehin die Ruhe und findet sie.

Immer weg: US Wohnwagen-Kultur

Die Ruhe fanden wir über das verlängerte Memorial-Day-Weekend, das man in den USA als “holidays” bezeichnet. Mit durchschnittlich 2 Wochen Urlaub pro Jahr, ist hier jeder freie Tag “holidays”. Am Freitagmittag fuhren wir zum Ausflug nach Salt Lake City, der beschaulichen Metropole, die zwischen dem gleichnamigen Salzsee und einer Bergkette liegt. Dummerweise kamen wir auf dem Rückweg nach Fountain Green in den Berufsverkehr und damit in den Wochenend-Urlaubsstau. Ich dachte immer, Holland wäre weltweit das Wohnwagenland Nummer 1, bis ich in diesem Stau
und an diesem Wochenende eines Besseren belehrt wurde. Angeblich sind es jährlich 40 Mio. US-Amerikaner, die campen gehen. Das wären zweieinhalb mal so viele Menschen wie die Niederlande Einwohner hat, wenn diese Zahl stimmt.

In sämtlichen Größen von XL bis XXXL und Anhänger mit dickem SUV fuhren tausende von Riesenschachteln an uns vorbei, um in der Natur die Stühle vor die Tür zu stellen und den mobilen Mega-Grill anzuwerfen. An sämtlichen Flussufern und Campingplätzen formierten sich, wie es in alten Western die Planwägen taten, Wohnwagen-Kreise; wahrscheinlich um angreifende Indianer abwehren zu können. Aber Outdoor können wir auch, sagten wir uns und freuten uns auf die nächste Station unserer Rundreise.

Bequem war gestern: Moab-Wüste im Zelt

Regeneriert und entspannt ging es vier Tage später in die Moab-Wüste. Dort hatten wir uns für eine Nacht ein Tipi-Zelt gemietet. Outdoor-Abenteuer unter dem Sternenhimmel.

Die Moab-Wüste ist beeindruckend. Ewig weite rotbraune Dornenbüschel-Steppenlandschaft, die hier und dort mit den mächtigen, für Utah typischen Felsmassiven abgeflankt ist.

Das Tipi-Dorf wird von jungen Leuten geführt, die man eher als Backpacker in Laos vermutet als auf einem amerikanischen Zeltplatz. Die Einweisung in das Tipi, das übrigens aus Zeltplane mit Antimoskito-Innenzeltnetz besteht, ging schnell.

Hier Reissverschluss, dort zwei Feldbetten mit Schlafsäcken, ein Tisch, zwei Klappstühle und da drüben neben dem Zelt mit den Handtüchern der Trailer, in dem einzelne Dusch/WC-Kabinen untergebracht sind.

Kein Frühstück und auch keine Kochmöglichkeit. Schön dachten wir. Hier lässt es sich für höchstens eine Nacht aushalten. Als ich die Feldbetten sah, wusste ich, dass ich den ganzen Tag wandern werde und es am Abend viel Bier gibt.

Die Wanderung war die schönste in unserem ganzen Urlaub. Der Arches Nationalpark hatte anders als der Zion Park viel an mächtiger Felsen-Traumlandschaft zu bieten. Er ist riesig groß und nicht überlaufen. Früher hätte man einen Rucksack voll mit kleinen Filmdosen mitschleppen müssen, heute reicht eine 16 GB SD Card im Fotoapparat, um einen Teil dieser wunderbaren riesigen Felsenstädte einzufangen. Völlig berauscht und nach gefühlten 20 Kilometern Bergwandern fuhren wir in das nächste Dennis Diner in Moab-Stadt, um dort einen großen gemischten Salat ohne Geschmack und ein Fleisch-Irgendetwas mit Pommes zu essen.

Danach fanden wir sogar eine Tankstelle mit Bier (man kommt sich irgendwann vor, als wären die USA ein muslimisches Land – selten bekommt man Alkohol im Diner, kaum Einkaufsmöglichkeiten für Bier und in der Öffentlichkeit muss man es verdecken). Meine Vermutung: Man sieht in Berlin-Neukölln tagsüber mehr Leute mit einer Bierflasche herumlaufen als es in ganz Nordamerika der Fall ist. Ist ja nichts Verwerfliches, aber muss man sich für das Feierabendbier zu Hause verstecken?

Demonstrativ tranken wir vor dem Schlafengehen unser Bier vor dem Zelt (sollen sie uns doch dafür einsperren) und genossen den Wüsten-Abend unter dem großen klaren Sternendach.

Haben die Indianer in ihren Tipis eigentlich auch auf Feldbetten geschlafen? Die Abneigung, auf einer solchen Konstruktion zu nächtigen, ist die Dekadenz des Westens gegenüber der Armut, wie sie weltweit in Feldbettlagern des Roten Kreuzes zu finden ist, dachte ich mir. Das half aber leider nicht beim Schlafen. Somit rächte sich das Feldbett die ganze Nacht lang an der Dekadenz.

Völlig gerädert kroch ich am nächsten Morgen um 6.30 Uhr aus dem Tipi, um einer der ersten unter der Dusche zu sein. Meine Liebste war erst vor ein paar Stunden eingeschlafen, da sie ein offenes Ohr für alle Schnarcher im Umkreis von einer Meile hat. Ich trottete zum Handtuch-Zelt, wo es kein Handtuch mehr gab. Dann zum Auto, um zwei Stück aus dem Koffer zu kramen. Eingeschäumt unter der Dusche stellte ich fest, dass das warme Wasser eben aufgebraucht war.

Und zum Zähneputzen musste ich meinen Kopf in die Kabinenecke auf halber Höhe über das Kuchentellergroße Waschbecken klemmen. Outdoor pur mit Minimalfaktor. Meiner Frau erzählte ich von alledem nichts. Die meisten Frauen reagieren etwas sensibel, wenn es um die morgendliche Toilette geht. “Ja, das Wasser ist warm, nur am Anfang ist es etwas kalt”, redete ich ihr und mir ein. Nachdem wir das Camp fluchtartig verlassen hatten, ging es erstmal zur Tankstelle, um dort zwei Kaffee und ein geschmacksneutrales Burrito-Irgendetwas zu kaufen.

 

Colorado: Die Schweiz der USA

Unser Weg führte entlang des breiten Colorado Rivers zwischen den Bergen in Richtung Great Junction und von dort nach Montrose, ebenfalls Colorado. Dabei fiel auf, dass der Fluss auch längere Passagen bergauf floss. (Die Physiker und Geologen unter den Lesern bitte wegsehen) Da wir uns ohnehin die ganze Zeit in mindestens 1.500 Metern Höhe bewegten, hakte ich das unter der schwächeren Erdanziehung ab.

In Montrose hatten wir für vier Tage ein wunderschönes Haus mit Garten gemietet, um die letzten Tage von hier aus ein paar Ausflüge zu unternehmen und um uns auszuruhen. Über diesen Ort gibt es wenig zu berichten, außer, dass er in den 1880ern im Zuge des Eisenbahnbaus entstanden ist, einen sehr entspannten Kleinstadt-Eindruck hinterlässt und man von hier aus in den Black Canyon National Park gelangt. Das ist eine Gebirgskette mit einem kleinen Fluss, der von hohen, spitzen Schieferwänden eingerahmt wird. Es gibt hier ein paar Wanderwege und Aussichtspunkte. Der Park (Eintritt pro Auto: 15 Dollar) ist sehr wenig besucht und die Ranger bieten zweimal täglich Führungen an. Es lohnt sich auf alle Fälle, da man hier fast alleine unterwegs ist.

Nachdem wir uns in Montrose gut erholt hatten, ging die Resie weiter zu unserem letzten Ziel. Fast jeder Ski-Begeisterte hat einmal von Aspen gehört, das Davos der USA. Wir steuerten Avon an, das ungefähr in der selben Gegend liegt. Ein kleiner beschaulicher Ort, der voll und ganz auf Wintersport eingestellt ist. So besaß unsere Hotel-Suite zwei Kamine (natürlich unecht) und einen Whirlpool neben dem Bett. Auf dem kleinen Balkon fand sich des Amerikaners liebstes Küchenutensil: Ein Gasgrill. In Avon verbrachten wir unsere letzte Nacht, bevor wir in das wahrscheinlich höchstgelegenste Outlet der Welt fuhren: das Silverthorne Outlet auf 2.700 Metern.

Shoppen ist hier wie Bergwandern: Die einzelnen Geschäfte liegen verstreut auf einem idyllischen Areal mit Bergbach und viel grün dazwischen. Heidi und Ziegenpeter können sich hier bei Hilfiger und Levis einkleiden. Statt eines Jagertees und einer Wurstsemmel gibt es dann ein Frozen Joghurt mit einem Burger.

 

Zum Schluss noch eine Flatrate mit Freunden

Unser Rückweg führte schließendlich zum Flughafen Denver, wieder zu Alamo, wo aber der unfreundliche Angestellte glücklicherweise nicht mit einer durchgeladenen Pumpgun auf uns wartete. Will heißen: Wahrscheinlich hat man ihn wegen meiner E-Mail dann doch nicht gekündigt. Stattdessen trafen wir am Flughafen unsere Freunde wieder, die sich extra für unsere Verabschiedung in ein nahegelegenes Hotel für eine Nacht einmieteten. Wir fuhren dorthin und lernten eine Nachmittags-Hapyy Hour kennen, wie sie in manchen US Hotels üblich zu sein scheint: Sämtliche Cocktails für Hotelgäste (und deren Gäste) auf Kosten des Hauses. Dazu eine Erdnuss-Flatrate. Das kam uns sehr entgegen, da wir im Flugzeug ohnehin gut durchschlafen wollten und das Auto bereits abgegeben hatten. Wir schafften es immerhin durch die Sicherheitskontrolle in das Flugzeug und schliefen fest wie die Braunbären.

Ich hoffe, unsere amerikanischen Freunde haben davon keinen verkehrten Eindruck von uns bekommen – es ging uns wirklich nur um unseren Schlaf im Flugzeug! 🙂

Welche Navi-App ist für die USA zu empfehlen?

Google Maps. Navigon benutze ich aufgrund der sehr schlechten Erfahrungen vieler Reisen in Europa nicht. TomTom USA/Kanada kann man grob nebenbei benutzen. Für die schönen Routen ist es aber absolut unbrauchbar, da es sie als Alternativrouten partout nicht anbietet. Manche Panorama-Straßen in Utah existieren bei TomTom schlichtweg nicht (trotz mehrfacher Eingabe). Tipp: Google Maps App. Hier werden alle Straßen aufgelistet und auch die Navigation stimmt. Man braucht hierfür aber mobile Daten oder sucht sich im Hotel jeweils die Route heraus und speichert sie offline.

Geschwindigkeitsbegrenzung egal?

Ich bin der Meinung, dass gutes Fahrverhalten wenig mit Geschwindigkeit zu tun hat. Unsinnige Raserei z.B. in Wohngebieten lehne ich ab. Genauso unsinnige Begrenzungen, die nur der Geldeintreiberei dienen. Die allermeisten Leute fahren aber gegen einen Baum, weil sie nicht fahren können oder einfach zu betrunken sind. Ob das dann 80 Km/h oder 140 Km/h waren, ist nicht die Ursache dafür. Viele Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen (z.B. 80 statt 100) sind einfach unsinnig und dienen nur der Geldeinnahme für die Gemeinden.

Auch in den USA muss man auf Geschwindigkeitskontrollen aufpassen. Hier bekommen die Cops sogar jährliche Quoten. Die Radarfallen gehen meiner Erfahrung nach stets vom stehenden Polizeiauto aus und meistens nicht, wenn man bergauf oder im dichten Regen fährt (welcher Cop ist so blöd und blitzt Bergauf-Strecken?). Bei weiten, flach-übersichtlichen Strecken kann sich der Cop auch schwer hinter einem Busch verstecken.

Ich ernähre mich ausschließlich Bio und gesund – was kann ich in den USA essen?

Am besten ein anderes Reiseziel suchen. Es gibt in manchen Städten Biomärkte und man kann auch beim Farmer einkaufen. Ob es tatsächlich frei von Gentechnik ist und aus kontrolliert, ökologischen Anbau stammt, kann man nicht wirklich nachprüfen. Wer hier unterwegs ist, sollte auch mal ein Walmart-Steak in die Pfanne hauen können.

Welches waren die schönsten Gegenden und Orte auf unserem Roadtrip durch Colorado, Utah & New Mexico?

Zweifelsohne: Trinidad, Taos, die Route 64 von Taos nach Farmington, die US-95 von Blending über Torrey und dann auf dem Highway 25 nach Escalante und dann Hatch. Außerdem: Fountain Green, Spanish Fork, Montrose

NaturBryce Nationalpark, Glen CanyionCapitol Reef Nationalpark, Black Canyon, Moab Wüste, Arches Nationalpark (Highlight), Fry Canyon, Dixie National Forest

Unsere Empfehlungen für entspannte Nächte: 

Abojo Haven Cabinsin Blanding *(Affiliate Link)

Wer zum campen zu alt ist oder sich zu alt fühlt und trotzdem das ultimative Naturerlebnis sucht, ist hier genau richtig. dyllische Unterkunft für Besucher, die Wldwest-Lagerfeuerromantik mitten in der Natur suchen. Rundherum sieht man Rehe und andere Tiere. Inmitten der schönen Berglandschaft. Der Ort Blanding ist ca. 10 Autominuten entfernt. Die Hütten sind einfach und funktional ausgestattet. Das Bad/WC liegt in einer anderen Hütte gegenüber. Feuerstelle und Grill (keine Küche) vor der Hütte. Tolle Aussicht. Bill ist ein sehr zuvorkommender freundlicher Gastgeber und bietet Wandertouren durch die schöne Berglandschaft an.

Moab Under Canvas(Affiliate Link)

In der Moab Wüste, 30 Minuten vom Arches NP entfernt, liegt diese einzigartige Übernachtungsmöglichkeit. Originelle Idee. Für eine Nacht ist ein einfaches Tipi ein kleines Abenteuer. Mitten in der Natur und nahe zum schönsten Nationalpark Utahs sowie nach Moab. Nettes, gut organisiertes Personal, Kollosaler Ausblick in die Wüste. Einzelne saubere Dusch-WC-Kabinen. Gerade für junge Leute ein Abenteuer.

The Colorado Cottage in Montrose

Ruhiges, großzügig ausgestattestets Haus mit eigenem Garten, Terasse, 2 Schlafzimmern und 2 Bädern. Man fühlt sich hier sicher und geborgen. Nette Nachbarn. Geschmackvoll eingerichtet mit allem, was man braucht. Sauber und idyllisch.

Crystal Inn Hotel & Suitesin St. George *(Affiliate Link)

Wenn man in St. George die Hotels sieht, dann stellt man fest, dass sich die meisten direkt neben Tankstellen, dem Highway oder in unschöner Umgebung befinden. Das Crystal Inn ist zwar neben dem Highway, aber wir hatten für 3 Nächte ein schönes Zimmer im ersten Stock mit Poolblick. Das ist abgeschottet vom Highway. Die Zimmer sind sehr geräumig, sauber und gepflegt eingerichtet. Sie besitzen alle einen kleinen Balkon, was für die USA ein Highlight ist (wer die Frischluft der Klimaanlage vorzieht). Das Kingsize Bett war sehr bequem. Der Pool ist schön und sauber. Wifi funktiionierte einwandfrei. Das Frühstück mit richtigem Besteck und Tellern/ Tassen. Das Buffet war für US Verhältnisse ok. Insgesamt macht das Hotel einen sehr gut organisierten, seriösen Eindruck. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier top, wenn man sieht, was in Utah sonst so angeboten wird. Von hier aus ist man schnell in Las Vegas, dem Zion Nationalpark und am Grand Canion. Super Ausgangspunkt für Aktivitäten.

Noch mehr Lesestoff? Na klar!

Für alle, die jetzt erstmal richtig auf den USA Geschmack gekommen sind, sollten unsere Reisegeschichten über Kalifornien, den Mittleren Westen,  den Blue Ridge Parkway, Florida und New York lesen. Da ist für jeden was dabei. 

Wir haben auch ein paar hilfreiche Tipps für die Reiseplanung in die USA oder für eine Mid-West USA Tour. Ihr wollt shoppen bis der Bär tanzt? Dann schaut mal hier in die Outlet Liste.

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