Alptraum-Buchung nach Sizilien

Gebucht hatte ich unseren Sizilien Urlaub für Ende September 2014 bereits im Dezember 2013. Ein Schnäppchenangebot der Billigfluglinie AirOne über das Reiseportal “eDreams” gab den Ausschlag. Eine Fehlentscheidung, wie sich zwei Monate später herausstellte. Anfang März erhielt ich eine E-Mail der Alitalia-Tochter auf Italienisch, in der mir das Wort “cancellato” ins Auge fiel. Da AirOne als einzigen Servicekontakt eine kostenpflichtige Telefon-Hotline nur in Italien verfügt, fragte ich eine italienische Bekannte, was diese E-Mail mir mitteilen sollte. “Euer Rückflug wurde storniert. Der Hinflug findet aber statt”, meinte sie. Daraufhin rief ich bei eDreams.de an.

“Es tut mir leid, wir können nichts für Sie tun – weder bei AirOne nachfragen, noch uns um die Rückerstattung des Geldes für diesen Flug kümmern”‘ sagte mir die Callcenter-Agentin von eDreams im gebrochenen Deutsch. ” Dafür ist Ihre Buchung zu geringfügig für uns, als dass wir hierfür tätig werden”, gab sie ehrlicherweise und zugleich frech zu. Alles klar, dachte ich mir, sie sollten sich dann genauso ehrlich in “AlpDreams” umbenennen.

Entnervt ließ ich die Sache erst einmal ruhen und startete bei AlpDreams zwei Monate später einen erneuten telefonischen Versuch, an meine etwa 170 Euro zu kommen. “Wir können leider nichts für Sie tun. Die Fluggesellschaften haben 12 Monate Zeit, stornierte Flüge auszubezahlen”, belehrte mich die Service-Mitarbeiterin. Daraufhin schrieb ich in Old School-Manier eine Brief an AirOne in Rom, mit der Aufforderung, mir das Geld an meine angegebene Kontonummer zurück zu überweisen. Schon nach zwei Monaten antwortete Alitalia mir sogar auf Englisch mit einer E-Mail: “Danke für Ihre Nachricht. Wir werden Ihre Anfrage demnächst bearbeiten.”

Wäre mein Name beispielsweise Corleone und ich würde zu einer “einflussreichen” sizilianischen Familie gehören, dann hätte mich der Alitalia/AirOne Sachbearbeiter wahrscheinlich persönlich mit dem Auto aus Berlin abgeholt und zum Flughafen gefahren – aus Angst, nicht mit einbetonierten Füßen im Tiber auf Tauchstation zu gehen.

Nur so scheint Kundenservice bei Alitalia zu funktionieren, bin ich inzwischen der Meinung. Immerhin hat Alitalia mich nach etwa 6 Monaten zweimal angerufen, sich entschuldigt und mir das Geld zurücküberwiesen. Von einer Buchung bei eDreams hingegen kann ich nach dieser Erfahrung nur abraten.

Mafia für Italien-Touristen?

Es gibt sie nicht – und wenn, dann will niemand sie je kennengelernt haben. So ist das mit der Mafia, die zur Zeit der bürgerlichen Revolutionen Mitte des 19. Jahrhunderts in den Gefängnissen Süditaliens entstanden ist.

Spätestens im zweiten Befreiungskrieg, als Garibaldi Sizilien eroberte, haben sich die Verbrecher unter die Freischärler gemischt und man hat auch mit ihrer Hilfe als “Ordnungshüter” den neuen Staat Italien aufgebaut.

Die Verquickung von Staatsorganen und Mafia besteht seit den 1860er Jahren. Die Mafia hat den italienischen Faschismus überstanden und konnte erst im Jahre 1992 mit den Sizilianischen Richtern und heutigen Volkshelden Guiseppe Falcone und Paolo Borsellino erheblichen Gegenwind bekommen.

Nach den tödlichen Bombenanschlägen auf die beiden Richter entsandte die Regierung 20.000 Soldaten nach Sizilien, um den Kampf vor Ort aufzunehmen. Seitdem hat sich hier etwas getan. Heute gibt es auf Sizilien Netzwerke gegen die Mafia.

In Palermo findet man sogar Geschäfte und Restaurants, die offen damit werben, keine Schutzgelder zu bezahlen. Wer sich mehr über die Mafia informieren will, dem lege ich John Dickies Standardwerk “Omerta” an’s Herz.

Das ist eine prima Reiselektüre und liest sich wie ein historischer Thriller, der bis in die heutige Zeit hinein reicht.

“Überall, wo Fremde selten sind, werden sie gut aufgenommen.”

Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778)

Palermo: Der Müll und unsere Familie

Natürlich gibt es die Cosa Nostra noch. Das merkt man spätestens am Müllproblem, das ganz Süditalien nach wie vor beherrscht. Nachdem die bis dato schlechte Müllentsorgung zu den traditionellen Einnahmequellen der Mafia gehörte, hat man die ganze Sache nun auf die aufgeblähten und bürokratielahmen Kommunen übertragen.

Herausgekommen ist auf Sizilien die Mülltrennung mit der die wenigsten etwas anzufangen wissen. Mal kommt die Müllabfuhr, mal nicht. Das Ergebnis: Man wirft den Müll lieber aus dem Auto, anstatt ihn zu Hause zu entsorgen. In den USA würde das einen 5.000 Dollar Strafe kosten – in Italien kostet das nur ein Lächeln.

In Palermo ballt sich dieses Problem zusammen mit der wachsenden Zahl seiner Einwohner. Wer durch die Altstadt schlendert, stößt schnell auf ganze Müllberge in abgelegenen Gassen. Das scheint niemenaden richtig zu stören.

Was die Mafia angeht, so gibt es in Palermo eine Reihe von Gewerbetreibenden, die sich seit 2004 öffentlich weigern, Abgaben an die Clans zu zahlen. Die Kampagne heißt “Addiopizzo” (“Adieu Schutzgeld”).

Wer es ganz political correct haben möchte, sucht sich Unterkunft und Restaurants mit den entsprechenden Aufklebern aus, um nicht für die Mafia mitzubezahlen. Aber ob das Essen bei den glücklicheren Wirten besser schmeckt, kann man schwer beurteilen.

Dolce Vita in Sicily

Nichtsdestotrotz ist Sizilien eine wunderschöne Insel. Wer hier ohne Mietwagen die Landschaft erkunden will, ist selbst Schuld. Alleine die landschaftlich reizvolle Gegend rund um den Etna kann man nicht an einem Tag umwandern oder mit dem Nahverkehr erschließen.

Wir mieteten uns für je eine Woche in ein Apartment ein, das jeweils abseits von den Touristengegenden lag. Beide sind absolut weiterzuempfehlen. Das eine (Residence 5 Lune) lag in Alcamo Marina. Es besitzt eine sehr große Terrasse mit Grill und Panoramablick über die ganze Bucht und liegt inmitten eines typisch sizilianischen Wohnviertels.

Die andere Unterkunft war ein niegelnagelneues High End Apartment im obersten Stockwerk mit sehr viel Licht, großer Terrasse, Strandnähe und ebenfalls Panoramablick nahe der malerischen Kleinstadt Capo D’Orlando. In letzterer wollten wir bis an’s Ende unserer Tage wohnen bleiben. Ging aber leider nicht, da einem dann (abgeschnitten vom heimischen Job) irgendwann das Geld ausgeht. Aber wer uns bei unserem nächsten Sizilienurlaub treffen will, der weiß nun, wo. Das liegt natürlich auch am Essen.

Nichts für Diät-Fanatiker – Gewichtszunahme garantiert: Insgesamt ist Sizilien eine kulinarische Topadresse. Es macht Spaß. in den kleinen Geschäften und auch gr0ßen Supermärkten einkaufen zu gehen oder sich in den Restaurants überraschen zu lassen. Richtige Pizzen, Saltimbocca, tolle Nudelgerichte, warmes Ciabatta, frischer Prosciutto Cotto und würziger Taleggio. Dazu gibt’s den guten sizilianischen Wein und man fühlt sich super (insofern man nach dem Urlaub nicht auf die Anzeige der Waage guckt).

In 2 Tagen ganz Sizilien

Von unseren Unterkünften aus starteten wir unsere Rundtouren quer über die Insel. In zwei Tagen kann man mit dem Auto ganz Sizilien erkunden. Man muss nur schnell genug fahren. Den ersten Tag fuhren wir von der Nordküste an die Ostküste und von dort nach Süden, um über das Landesinnere wieder zurück zu kommen.  Am zweiten Tag ging es in genau die andere Richtung. Am dritten Tag wussten wir, dass wir in Sizilien sind und legten endlich mal die Beine hoch. Danach begannen peu a peu kleinere Ausflüge.

Siracusa mit Chef

Die meines Erachtens nach charmanteste Stadt von Sizilien ist nicht Taormina sondern zweifelsfrei Siracusa mit ihren verwinkelten Gassen und antiken Bauwerken. Sie besitzt am Abend ein besonderes Flair und es macht Spaß, hier zu flanieren und jede Menge zu entdecken. Ein Candellightdinner auf einem der schönen Altstadtplätze ist ein absolutes Muss in Siracusa. Das taten wir und setzen uns in einer kleinen Trattoria an den Tisch. Der Chef persönlich bediente uns. Das dachten wir, bis uns wieder einfiel, das italienische Kellner chronisch unter dem “Ich bin der Boss”-Syndrom leiden. Im Prinzip ist in einem Restaurant in Italien jeder Kellner der Chef.

Der richtige Chef ist dann der Gott des Hauses. Dieser Gott servierte uns eine Flasche Grillo (den wir auch gerne in Berlin trinken) und dieser schmeckte eindeutig nach Korken. Dass ich das erwähnte, glich einer Gotteslästerung und der beleidigte Mr. Gott sah sich genötigt, uns eine weitere Flasche Grillo zu öffnen, um den Banausen-Teutonen zufriedenzustellen und um das Gesicht des Restaurants zu wahren.

Die schwarzen Sepia-Nudeln und der Fisch schmeckten dafür vorzüglich – die sizilianische Küche ist schwer zu toppen. Um nicht alkoholisiert am Abend auf die andere Seite der Insel fahren zu müssen, mieteten wir uns in eine der angeblich schönsten Pensionen in Siracusa ein: Giuggiulena. Hier wohnt man direkt am Meer (natürlich mit Zimmerbalkon) und hört im Bett das Rauschen (nüchtern wie auch angetrunken). Man kann sogar vom Hotel aus über einen Badeeinstieg in’s Wasser springen.

Das Frühstück besteht individuell aus lauter Leckereien (Käsen, Früchten, selbstgebackener Kuchen, etc.). Nach der Mahlzeit ging es wieder zurück nach Capo D’Orlando, das übrigens als verwinkelte und authentische italienische Kleinstadt (wenig Tourismus) mit Siracusa gut mithalten kann.

Auto-Wanderung am Etna

Natürlich dürfte ein Ausflug rund um dem Etna nicht fehlen – Europas letztes rauchendes Pulverfass, das den Sizilianern jederzeit um die Ohren fliegen kann. Im Reiseführer steht, dass man beim Wandern vorsichtig wegen der giftigen Dämpfe sein sollte, die es nahe am Krater gibt.

Als Berliner ist man giftige Dämpfe aus dem Straßenverkehr gewohnt. Man muss nur die Neuköllner Silbersteinstraße auf- und ablaufen, dann ist man auf den Etna gut vorbereitet. Aber das alles sollte nicht abschrecken, die wunderschöne Hügellandschaft rund um den Vulkan zu genießen.

Man kann sie auch gut mit dem Auto abfahren, wenn man mit dem Navigon-Navi unterwegs ist – diese schlechtetste aller Navigations-Apps führt einen quer über unbefestigte Wald- und Feldwege und weist sie als normale Landstraßen aus. So erlebt auch in Polen, Tschechien und Griechenland.

Spätestens, wenn einem entgegenkommende Wanderer aufgeregt zuwinken, weiß man, dass man irgendwie falsch gefahren ist. In Sizilien haben wir aber nicht viele Wanderer getroffen. Wahrscheinlich war es um diese Jahreszeit (Mitte September) zu heiß.

Wer A sagt, muss auch B sagen, dachten wir uns und erkundeten nach der Ost- die Westküste mit ihren Orten San Vito lo Capo, Agrigento und Licata. Ehrlich gesagt hat uns dieser Teil Siziliens bis auf (im Norden) San Vito und (etwas im Süden) die griechischen Tempel bei Agrigent wegen der zersiedelten Gegend nicht besonders beeindruckt.

In San Vito haben wir in einer Bäckerei die leckersten Cannoli gefunden – das ist eine absolute Spezialität der Insel, die inzwischen auch bei uns in manchen sizilianischen Restaurants als Dessert angeboten werden. Dazu gibt es einen schönen Sandstrand am klaren Wasser und nette Strandcafes.

Unsere Bekanntschaften hielten sich bei diesem in Grenzen, so groß war unser Ruhe- und Erholungsbedürfnis. Ich wollte in Palermo ursprünglich einen sizilianischen Bekannten treffen, der seit zwei Monaten von Berlin aus mit dem Fahrrad dorthin unterwegs war. Scheinbar hatte er ein paar Platten oder zu viel Gegenwind, dass es nicht klappte.

Sich mit Wildfremden über die Mafia zu unterhalten, würde ich aus Gründen des Takt- und Ehrgefühls auch nicht als vorrangig erachten. Ansonsten kamen wir mit unseren herzlichen Vermietern in’s Gespräch, die uns Begrüßungswein schenkten. In diesem Sinn ist es für mich schwierig, etwas über die sizilianische Mentalität, wenn es sie denn gibt, zu schreiben.

Unser Fazit: Sizilien immer gerne wieder – vor allem Capo D’Orlando und Siracusa. 

Du findest Italien auch klasse? Hier kannst du in unserer Reisegeschichte über Ligurien nachlesen, wie es uns dort ergangen ist.

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